sollte die Überschrift meines nächsten Kapitels hier lauten…

Aber wie sag ich immer so schön: Oft kommt es anders, und meistens als man denkt.

Vor knapp zehn Tagen wurde ich von meinen Freunden, die die benachbarte Schafzucht haben, mit einem Blumenhuhn-Hahn beehrt. Im ersten Moment war ich gar nicht erfreut. Mit dem Thema „Hahn“ hatte ich mich noch gar nicht auseinander gesetzt, außerdem hatte ich ja zudem noch mit den Zickereien der Damen zu kämpfen. Was sollte ein Hahn da noch mehr Wirbel reinbringen?, war die Frage, die ich mir stellte.

Will ich statt Blumen einen Blumenhahn geschenkt bekommen?

Da es aber absolut unkompliziert war (sie hatten einfach einen Hahn zu viel für ihre 40 Hühner) und ich ihn jederzeit zurück bringen konnte, nahm ich ihn dann doch „zur Probe“ mit. Schon das Einfangen selbst war ein Abenteuer für sich, da sah man schon wie schnell so ein Hahn laufen kann.

Gegen 22 Uhr, als es schön finster war, wollte ich den Knaben aus der Schachtel holen und auf eine Stange setzen, wo er mir prompt zwischen den Stangen runterplumpste, was mich selber erschreckte, denn im „Geflügel-auf-die-Stange-setzen“ war ich mittlerweile ja eigentlich Profi.

Auch Herr Hahn hat sich sichtlich erschrocken, und aufgrund der Tatsache, dass Hühner nachts nichts sehen, rannte er aufgeschreckt durch den Stall um schlussendlich dasselbe im Gehege zu machen. Weil an Einfangen nicht zu denken war, schaffte ich es irgendwann dann doch die Schachtel wieder über ihn zu stülpen und ihn wieder in den Stall zu verfrachten. Stress ohne Ende mit Hahn?

Das interessante an dem Hahn-Zuwachs aber war, dass die Damenhuhns ab dem ersten Moment, wo sie den Hahn sahen, ihn als ihren Chef akzeptierten. Sie hofierten ihn, putzen seine Schwanzfeder und das Wichtigste: Plötzlich war Friede in meiner Hühnerschar💛

Am meisten profitierte Flora von seiner Anwesenheit. Vielleicht erkannte sie als Blumenhuhn die Ähnlichkeit, auf jeden Fall war sie ab sofort immer in seiner Nähe, die natürlich auch alle anderen Hühner suchten.

Ab diesem Moment war uns klar: Herr Hahn darf bleiben. Und mit „Rudi“ hatte ihm MrRight einen passenden Namen gegeben, denn Rudi sorgte für Ruhe und ruhte auch in sich selbst. Während er gerne früh schlafen ging und im Hühnerhaus geduldig auf die doch noch jugendliche Hühnerschar wartete, waren die Hühnerdamen damit beschäftigt sich im Sandbad schön für ihn zu machen. Jede wollte Rudis Herz für sich gewinnen, aber ohne dass dabei Streitereien unter ihnen entstanden. Das Haremleben war im Hühnerland offensichtlich als äußerst praktikabel akzeptiert worden.

Nach fünf Tagen, genau an dem Tag, an dem ich zum ersten Mal drei Eier im Legenest vorfand und genau der Tag, an dem ich Rudi auf dem Namensherz verewigte, krähte er morgens noch ausgelassen um am frühen Nachmittag plötzlich körperlich zu verfallen. Er wirkte, als würde er versuchen, sich zu räuspern, begann komische Geräusche zu machen, die wie Niesen klangen und konnte nicht mehr krähen. Im Umfeld um Rat gefragt, meinten einige, er hätte vielleicht etwas im Kropf stecken, also massierte ich ihm nachts den Kropf, aber da ahnte ich schon, dass das nicht das Problem war. Sein Atemgeräusch hörte sich einfach nicht gut an.

Am nächsten Morgen konnte ich Rudi dann doch relativ schnell einfangen und brachte ihn zu meiner Tierärztin, die meinte, er hätte einen Infekt. Quarantäne bis zur Besserung und acht Tage Antibiotika waren der Plan. Ich richtete unsere alte Gartenhütte für Rudi ein und da blieb er nun für drei Tage. Abends lag er friedlich auf meinem Schoß, ich kochte ihm Tee, den ich ihm einflößte, gab ihm sein Medikament und hatte das Gefühl, dass wir „best friends“ werden könnten. Es macht mich einfach immer traurig, wenn ein Tier so leidet.

Am dritten Tag aber, begrüßte Rudi mich stehend. Als ich dann die Hüttentür öffnete um sein Futter abzustellen, überlistete er mich und stand nach zwei, drei kräftigen Flügelschlägen in unserm Garten. Neugierig stolzierte er umher und krähte mehr als einmal kräftig. Ich freute mich so wahnsinnig, ein Stein fiel mir vom Herzen. Die Hühnerdamen waren ohne Rudi nämlich wieder in ihr altes Zickenmuster verfallen und auch Rudi wollte mir ganz deutlich sagen, dass er zu ihnen möchte, denn er fand relativ schnell den Weg dorthin.

Vielleicht war es falsch. Vielleicht hätte ich ihn wieder in den Stall verfrachten sollen, einsam und krank. Aber ich dachte einfach, dass die Natur schon zeigt, was richtig ist. Als Rudi wieder unter seinen Mädels war, hatten ich das glückliche Gefühl, dass meine Hühnerwelt jetzt wieder in Ordnung ist.

ABER…

Am nächsten Tag gingen die Symptome wieder von vorne los, obwohl wir ihm natürlich abends nach wie vor sein Medikament einflößten. Gestern machte er abends dann wieder dieselben schlimmen Geräusche wie anfangs. Vielleicht hätten wir ihn da schon wieder isolieren müssen. Ach, ich weiß es nicht…

Heute morgen stolzierte er wie jeden Morgen aus dem Hühnerhaus. Und als MrRight und ich von unserer Physiotherapie am späten Vormittag zurück kamen, war Rudi tot.

Jetzt quäle ich mich mit Gedanken, ob und was ich falsch gemacht habe. Ob der Infekt – wie die Tierärztin vermutet hat – vielleicht schon gesteckt ist und durch dem Umzug und die Umstellung einfach ausgebrochen ist. Ob er doch schon älter war, als vermutet. Oder ob ich eventuell Schuld bin…

Vielleicht aber ist er lieber unter seinen Damen gestorben als einsam und alleine im Quarantäne-Stall? Vielleicht sollte aber sich aber auch jemand, der im Grunde keine Ahnung von Geflügel hat, keine Hühner nehmen. Vielleicht ist das viele Lesen und sich informieren einfach nicht ausreichend, denn immerhin sind mir in meinen nun fast 45 Tagen Hühnerhaltung bereits zwei Tiere gestorben…

Vielleicht…

Vielleicht sollte man sein Herz auch nicht so schnell an jemanden verlieren…. Liebe ist immer auch mit Schmerz verbunden.

Also müsste die Überschrift des heutigen Kapitels eigentlich lauten:

Und dann ging Rudi…🖤

3 thoughts

  1. Liebe Claudia!
    Du hast definitiv NICHTS falsch gemacht!
    Du warst mit ihm beim Tierarzt, hast ihm seine Medizin 🧪 gegeben, ihn lieb gehabt. Mehr kann man nicht machen.
    Manchmal ist das eben so, aber besser als bei dir kann es ein Huhn 🐓 nicht haben.
    Mach dich jetzt nicht fertig!
    Ich denke Rudi war schon krank – vor allem wenn er aus einem großen Stall kam, kann schon leicht was stecken. Wer weiß ob das Medikament zu 100% gepasst hat. Ist bei Hühnern glaub ich auch net so einfach.
    Gib nicht auf – jeder fängt mal mit was an (Hund, Katze, Hamster, Pferd, Schaf, …)
    Keiner weiß von Anfang an (außer man ist damit groß geworden) wie es geht!
    Denk nur daran wie du zum Brot backen begonnen hast – und an jetzt 🤷🏻‍♀️
    Alles wird besser
    ❤️

    Gefällt 1 Person

  2. Hach seufz, das ist wirklich traurig. Aber ich denke nicht, dass Du irgendeine Schuld an Rudis Tod trägst! Manchmal ist das Leben halt ein Arschloch – entschuldige den derben Ausdruck, aber da fällt mir gerade keine blumigere Beschreibung ein! 💁🏻‍♀️ Menschen stürzen sich doch oft in das Abenteuer Tierhaltung, ohne die leiseste Idee davon zu haben. Und ganz oft geht das einfach gut! 🤷🏻‍♀️
    Ich verstehe, dass Du frustriert bist und Dir Gedanken machst, aber ich bin auch zutiefst davon überzeugt, dass Deine Hühner kaum eine liebevollere „Mama“ haben könnten! 💝😘

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    1. Ich finde deinen Satz mit „..loch“ am Schluss richtig befreiend. Ja offensichtlich ist das so 🤷🏼‍♀️ Auf jeden Fall weiß ich, dass ich das, was ich mache und wofür ich mich entscheide immer mit Herz mache, dass ich Fehler mache, aber auch aus meinen Fehlern lerne. Und ich denke, dass „mit Herz bei einer Sache sein“ niemals falsch sein kann. In diesem Sinne, setz ich eine Haken unter dieses Erlebnis und bleibe wie ich bin… 😉 Danke dir 💛

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