Kein Bett mehr frei im Hühnerhaus

Manchmal ist es einfach nicht gut, zu viel Aufhebens um eine Sache zu machen.

Dass ich wieder einen Hahn möchte, war mir sofort klar, als Rudi plötzlich weg war. Floras Leben in der Gruppe war nicht einfach und man hat gemerkt, dass jemand fehlt, der Ruhe und Klarheit in die Gruppe bringt.

Aber was sollte ich tun? Einen alten Hahn wollte ich auf keinen Fall mehr. Ich las mich etwas durch die Charaktere von Hähnen und schlussendlich blieb ich wieder beim Blumenhahn hängen. Er ist ein sehr friedliebender Beschützer für seine Hennen und auch zu seinem Besitzer zumeist zutraulich.

Der einzige Züchter, der auf meine Nachrichten reagierte und tatsächlich Junghähne abzugeben hatte, war aus Bayern, Nähe Straubing. Die zwei Stunden Fahrt schreckten mich nicht ab und MrRight war auch sofort dabei. Und so machten wir letzten Samstag mit unserem Camper eine kleinen Ausflug nach Bayern. Schon das bloße Unterwegssein mit dem Camper ließ in mir bereits auf den ersten Kilometern Urlaubsfeeling aufkommen. Nur einige heftige Regenschauer begleiteten uns, ansonsten fuhren wir bei Sonnenschein die letzten 30 Kilometer kurvig durch wunderschönes bergiges Bayern.

Der Hühnerzüchter Alexander hatte vor 5 Jahren wie ich mit fünf Hühnern begonnen, meinte er grinsend, als ich erzählte, dass ich doch bloß ein paar Hühner hab. Ich war beeindruckt von den wunderschönen Hühnern, Blumenhühner, die er gemeinsam mit Bayrischen Landzwergen hält. (diese Landzwerge sind eine Minimundus-Ausgabe von Blumenhühnern 🥰)

Zwei Junghähne hatte er noch, und zwei jungen Legehühner. Gerne hätte er mir alle vier mitgegeben, denn die nächsten Küken warteten schon auf den Platz im Stall 😉. Nein, niemals, ich wollte doch nur einen Hahn. Er setzte mir einen der jungen Hähne auf den Arm, und der blieb ganz ruhig bei mir sitzen. Da war es schon um mich geschehen, dieser wird mein neuer Hahn 💛 Zwar wird er sich etwas behaupten müssen, denn er kann mit seinen gut vier Monaten noch nicht mal krähen, aber stolzieren kann auch er schon. Der Name war für mich als alten „Sissy-Filme“-Fan sofort klar: Unser neuer Hahn heißt: Erzherzog Max von Bayern 😉 und solange er noch nicht krähen kann, ganz einfach Maxi 😉

Und dann kam das große Dilemma: will ich dem jungen Maxi dasselbe antun wie Flora? Will ich wieder nur ein einzelnes Tier in die Gruppe integrieren? In der Überlegung, auch eine Henne mitzunehmen, erklärte mir Alexander, dass er die Hennen nur zu zweit hergibt, weil auch er keine gute Erfahrung mit einzelnen Tieren hat. Oh nein, noch zwei Hennen?

Überraschenderweise traf MrRight die Entscheidung: „Ok, wir nehmen auch noch die beiden Hennen, aber dann ist Schluss!“ Ich war perplex, damit hatte ich nicht gerechnet, denn mein Plan war eigentlich wirklich nur „ein Hahn“.

Und so kam’s: dass wir über Schleichwege (weil uns die Autobahn Richtung Österreich mit 14km Grenzstau gar nicht lockte) drei Stunden heimfuhren und uns dabei wie fühlten wie ein Schlepperbus, der in einer Schachtel drei bayrische Geflügel-Asylanten nach Österreich schmuggelte.

Zu Hause wusste ich, dass es richtig war, alle drei zu nehmen. Max tat es gut, sich um seine Schwesterhennen, Rosi und Resi, zu kümmern. Nachts setzten wir die drei zu den anderen in den Stall und am nächsten Morgen wollten wir sehen, was die Truppe zu dem Neuzugang meint, weswegen MrRight und ich um 6 Uhr aufstanden, um die Hühnerklappe zu öffnen. Bei strömenden Regen beobachteten fasziniert das Geschehen.

Wer keine Hühner hat, wird unsere Begeisterung nicht nachvollziehen können, aber wie diese Tiere auf einander zu gehen, wie jeder dem anderen „erklärt“, wer er ist und welche Funktion er hat, wie hier die „Regeln untereinander“ aufgestellt werden, ist einfach faszinierend. Und das alles sieht man nur, wenn man sich die Zeit nimmt, diese Tiere einfach nur zu beobachten 💛

Max, der Junghahn, hatte sofort sichtlich Freude an dem Mädelshaufen, er tänzelte um unsere Damen herum, und auch meine Huhns waren gar nicht abgeneigt. Bloß Flora sah in dem jugendlichen Möchtegernhahn keinen würdigen Nachfolger von Rudi, was so einige „Brust an Brust“-Kampfansagen nach sich zog.

Mittlerweile sind ja einige Tage vergangen und Max hat zumindest einen Teil seiner „Hahn-Aufgaben“ gelernt. Hat er anfangs noch nicht krähen können, so tut er dies mittlerweile schon relativ gut 😉 Er macht „tut-tuk“, wenn er gutes Futter findet – und zwar so lange bis eine Henne kommt, es findet und auch frisst – ein wahrer Gentleman. Seine Hormone kommen auch langsam in Fahrt, bloß klappt das, was er tun möchte, noch nicht so wirklich, und die Hennen schmeißen ihn meist noch ab 🤣 So ein Junghahn hat auch noch keine Sporen. Bei ihm sieht man grad mal kleine Knuppelchen – daran erkennt man auch, dass er in der Pubertät ist 😉 Bis auf Flora haben ihn alle anderen mittlerweile als Hahn akzeptiert und respektieren ihn auch. Da Flora das aber partout nicht tun will, zieht sie wieder mal den Ärger der restlichen Hühnertruppe an.

Rosi hielt sich einige Tage dezent im Hintergrund. Sie zieht es vor, sich mit niemandem anzulegen und jedem Streit aus dem Weg zu gehen. Oft findet man sie unter den Büschen oder irgendwo „oben“ 😉

Resi, ist deutlich kleiner ist als Rosi und hat eine „Haube“, das heißt, dass ihr auf dem Kopf deutlich mehr Federn wachsen werden. Sie hat aktuell noch leichten Federflaum und „piepst“ auch noch ganz ganz fiepsig, anstatt zu gackern. MrRight und ich haben uns sofort in sie verliebt.

Sie hielt sich die ersten zwei Tage nur an Rosis Seite auf, ließ sich von Max zum Futtertrog geleiten und war aufgrund ihrer „Größe“ diejenige, die man schnell mal verjagte. Die kleine Resi aber litt nicht darunter, sondern wurde dadurch einfach immer quirliger und frecher. Mittlerweile saust sie durchs Gehege, hüpft auf und ab, nimmt sich, was sie will und akzeptiert aber jede Rüge der Älteren, wenn sie etwas tut, was sich nicht „gehört“😉 Wenn sie abends zB noch nicht in den Stall möchte, wird sie von der Jutta, die sich mittlerweile zur abendlichen Wächterin der Truppe entwickelt hat, lautstark zu Bett geschickt, was sie dann auch akzeptiert.

Für mich ist meine Hühnertruppe jetzt komplett 💛, das Hühnerhaus ist ausgebucht und die Eierproduktion läuft auch auf vollen Touren (aktuell legen bereits alle „Stammhühner“, dh ich habe zwischen vier und fünf Eier pro Tag, die ich aber zur Zeit auch wirklich selber verbrauche 😉)

Wir haben viel gelernt in den vergangenen zwei Monaten seit wir Hühner halten. Es werden künftig bei uns keinem Huhn mehr Flügel gestutzt, wir lassen unsere Hühner mittlerweile ab und zu sogar in unseren Garten, denn ich weiß nun, dass sie weder wegfliegen, noch weglaufen werden 💛 Wir sind ein eingespieltes Team und jeder von uns genießt seine Zeit mit und rund um die Huhns.

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