…zumindest in meiner kleinen Welt…

Wie eine Großmutter, die auf die Kaiserschnittentbindung ihrer Tochter wartet, hab ich mich am 1.Juni gefühlt. Bei einem großen Züchter hab ich mich telefonisch über anfängertaugliche Hühner beraten lassen und mich schlussendlich für drei schwarze Hühner mit goldenen Federn (#einbisschenluxusgehtimmer 😉) entschieden, welche an ein Lagerhaus in meiner Nähe geliefert werden sollten. Der an diesem Tag ersehnte Anruf würde mich darüber informieren, dass die Hühner abholbereit seien.

Als dann tatsächlich um 15 Uhr das Telefon läutete, war ich nervös wie Omma 🤣 Kurz noch mal gecheckt, ob alles bereit stand (Wickeltisch, Babywiege usw. man kennt das ja 🤣), dem liebsten Gatten Bescheid gegeben und dann durfte ich auch schon den ersten Blick in die Schachtel werfen, in der sich meine Huhns befanden. Schön sahen sie aus – alles war gut 💛

Tatsächlich war MrRight dann auch wirklich schon zu Hause als ich ankam (so viel zum Thema „deine Hühner interessieren mich nicht“ 😉), denn sein erster Blick in den Karton entlockte ihm ein: „Wow, die sind ja richtig schön“ Frau hatte also alles richtig gemacht 😇 Das Pflänzchen Liebe war gesät 😉

Nachdem ich anfangs dachte, die drei niemals von einander unterscheiden zu können, hat es sich gelohnt, mich alle zwei Stunden ein bisschen bei Ihnen aufzuhalten, Schnell war klar, dass Lotte diejenige heißen soll, die uns gleich mal in die Finger gezwickt hatte und mit einer hellen Schnabelspitze hervorstach. Ihre dem Federkleid sehr ähnliche Schwester mit einem dunklen Schnabel bekam den Namen Waltraud. Sie war von Anfang an am zutraulichsten und hatte ein sanftes und ruhiges Wesen. Eher verschreckt und schüchtern saß Paula in den ersten Stunden meist im hintersten Winkel des Hühnerhauses, und da ich – hätte es jemals sein mögen – eine Tochter immer gerne Paula genannt hätte, gab ich ihr diesen Namen. Ihr Federkleid hat am Halsrücken kaum goldene Federn – so kann man eben alle doch richtig gut unterscheiden.

MrRight war – wie gesagt – sofort in die drei verliebt und sein Papainstinkt geweckt. Mit einer Schaufel bewaffnet begab er sich zu unserer Kompostecke und grub mit Eifer die schönsten Regenwürmer aus. Damit hatte er die Damen für sich gewonnen 😉und siehe da – so kann man sich täuschen – wenn es ums leckere Essen geht, steht Paula plötzlich ganz vorne 🤣

Den ganzen nächsten Tag sollten die drei im Stall verbringen um sich an die neue Umgebung zu gewöhnen. Es war ein sonniger Tag und mir fiel das richtig schwer, aber auch an diesem Tag hab ich ab und an ein Plauderstündchen bei meinem Mädels eingelegt, um ihnen zu zeigen, dass ich keine ChickenWings aus ihnen machen werde.

Relativ schnell haben die PaLoWas (Paula – Lotte – Waltraud) Vertrauen gefasst, und es hat mich extrem berührt, dass man auch zu Hühnern eine echte Liebesbeziehung und Bindung aufbauen kann.

Dass mit Hühnern auch Action bei uns einzieht, war mir dann ab dem ersten Tag „im Freien“ schlagartig klar 🤣 Um ihnen den Rückweg in ihr Haus zu erleichtern, hab ich das Freigehege in den ersten beiden Tagen verkleinert und die Büsche „ausgeschlossen“, damit ich sie abends nicht eventuell da unten rausfischen müsste. Und das war gut so, denn deren Navi funktionierte nur semioptimal. Ihren Stall fanden sie von alleine nicht!

Und so waren die ersten Tage von vielen Fragen geprägt:

  • Wie fange ich ein Huhn wieder ein?
  • Wie halte ich ein Huhn richtig (fest genug und gleichzeitig sanft)?
  • Wie finden Hühner wieder in ihren Stall?
  • Warum schlafen meiner Hühner nicht auf der Stange?
  • Wie weit kann ein Huhn fliegen? 😳
  • Wie stutzt man einer flugbegeisterten Henne richtig die Federn?
  • Wann legen sie ein Ei und wo legen sie es hin?

und natürlich noch viele andere Fragen mehr 🤣

Du kannst auch ein Huhn zu nichts zwingen…

Dass manche Dinge ganz einfach sind, dass Mutter Erde, Tiere mit einem Instinkt gesegnet hat, den ich bei uns Menschen manchmal deutlich vermisse, dass Instinkt dennoch oft versagt, dass Hühner zwar Fluchttiere, aber super intelligent sind, dass sich alles irgendwann weisen wird und dass die Huhns in mir etwas hervorbrachten, was ich lange an mir vermisst habe, nämlich Ruhe und Geduld, und dass es mir wahnsinnig gut tut, diese Tiere zu umsorgen, das alles hab ich in den letzten Wochen gelernt.

Nach einer Woche lag tatsächlich das erste Ei im Legenest 💛 Und weil ich sie zufällig dabei beobachtete, wie sie vormittags ins Hühnerhaus spazierte, was sie tagsüber bis jetzt nie getan hatte, wusste ich, dass es von Waltraud war. Dass man als Huhn auf der Stange schläft (gut ok, ich könnte mir auch etwas bequemeres vorstellen) ist meinen Hühnern nicht gottgegeben, aber dass das Ei in das Legenest gelegt wird ohne dass ich ihnen das erklären musste, hat mich einfach geflasht. Überhaupt, das erste Ei zu entdecken, es in der Hand zu halten, hat mich so dermaßen berührt, dass ich jedem nur ans Herz legen kann, sich Tieren hinzugeben. Sie zeigen einem auf, wie einfach das Leben sein kann. Von diesem Tag an legte Waltraud jeden Tag brav ihr Ei in dasselbe Nest.

Lotte war die Flugbegeisterte von allen. Aber irgendwann flog auch Lotte nicht mehr über den Zaun😉 Ihren Rekord erflog sie an dem Tag bevor sie ihr erstes Ei legte, mit bestimmt sechsmal – natürlich hatte ich an diesem Tag einen Termin, und logisch flog sie kurz bevor ich wegmusste über den Zaun – ganz nach Murphys Gesetz natürlich. Ein herzlichen Dankeschön an YouTube und die tollen Videos zum Thema „Flügelstutzen beim Haushuhn“, und an unseren lieben Freund und Nachbar, der unseren dreimaligen Ansatz des Stutzens radikal formvollendete 🤣 und vor allem dem Fliegen ein Ende setzte 😅 Lotte, die Flotte, hieß sie ab diesem Tag. Aber im Grunde war mir am nächsten Tag klar, worum es bei Lotte ging. Ihr war einfach nicht klar, wo sie ihr Ei ablegen sollte, und ich denke, sie wollte einem sicheren Ort dafür finden. Denn am nächsten Tag (nach ihrem erfolgreichsten Flugtag😉) war sie abermals sehr unruhig. Als Frau kann ich das ja irgendwie nachvollziehen, schließlich lag ich auch bereits dreimal in den Wehen und hätte mir auch gern das beste Plätzchen dafür ausgesucht, nicht unbedingt umrundet von fünf Jungstudenten, die eifrig interessiert mein persönlichstes Universum unter die Lupe nahmen. Schlussendlich aber fand Lotte an diesem Tag“ ihr“ perfektes Plätzchen – hinter dem Hühnerhaus in einem Erdloch. 😉 Ok, solange ich weiß, wo es liegt, ist ja alles im Lot, dachte ich mir, und Lotte war daraufhin wie ausgewechselt, ruhig und erleichtert 😉 Als ich am nächsten Morgen zwei frisch gelegte Eier im Legenest fand, nahm ich anfangs an, dass Lotte nun bekehrt war, aber Lotte wäre nicht Lotte, wenn sie nicht sofort nach dem Öffnen der Klappe wieder hintern den Stall gehuscht wäre um abermals ihr Ei dort abzulegen🤣 Aber dadurch wusste ich nun, dass Paula auch schon legte 💛 Lottes Ei hab ich dann übrigens aus dem Matsch „gepflückt“, da es ein Regentag war, und ich musste für den nächsten Tag schwerer Geschütze auffahren.

Wir beherzigten am nächsten Morgen den lieben Tipp unserer Schafbauern-Freunde und öffneten die Stalltüre erst um 10 Uhr, um alle Hühner zum Legen im Legenest zu motivieren und siehe da: Es hat geklappt – was für eine Freude💛 Hühner lassen sich also doch erziehen.

Und dann kam der Tag, der zu meinem Schlimmsten in meiner so kurzen Hühnermama-Zeit werden sollte. Der Tag, an dem ich mir morgens dachte, die Lage würde sich entspannen. Wir hatten eine kleine Lampe im Stall montiert, wodurch die PaLoWas nun problemlos abends durch die Klappe freiwillig in ihr Häuschen fanden, kein Huhn versuchte noch zu flüchten – weder zu Fuß noch durch die Luft, sie laufen mir mittlerweile freudig in Laufschritten entgegen, wenn ich ihr Gehege betrete, sie fraßen mir wortwörtlich aus der Hand und ich hab sie alle in mein Herz geschlossen.

An diesem Morgen öffnete ich die Stalltüre auch erst um 10 Uhr – es war der zweite Tag dieser Maßnahme😉. Alle drei verließen wie immer das Hühnerhaus durch die geöffnete Hühnerklappe und ich entnahm dem Nest drei wundervolle Eier. Doch dann bemerkten wir, dass Waltraud nicht so quirlig war wie die anderen und irgendwie nur dastand und presste. Ihre Kloake (so nennt man die Öffnung, aus der sowohl Eier als auch urinversetzter Kot ausgeschieden wird) war geschwollen und rot. Zuerst vermutete ich eine Verstopfung, aber je mehr sie presste, desto mehr wölbte sich das Innere nach außen. Wir isolierten sie im Hühnerhaus, damit die andere beiden sie nicht verletzen können und befragten Dr.Gockel. Schnell war klar, dass es eine Art Legenot oder noch schlimmer, ein Legedarmvorfall war. Mit Handschuhen und etwas Öl begab ich mich zu Waltraud in den Stall und versuchte Geburtshilfe zu leisten, aber ich hab schnell ertastet, dass es kein zweites Ei war 😌 und ich ihr so nicht helfen konnte. Immer mehr wölbte sich der Legedarm nach außen, bereits faustgroß und prall. Meinen gutgemeinten Versuch, diesen zu reponieren, „beantwortete“ sie mit „noch mehr Pressen“. Diese Schwellung durch den Vorfall empfindet ein Huhn als „Ei“ und will dies durch Pressen „beseitigen“ – eine natürliche Reaktion, die ich nicht unterbinden konnte. Und wenn ich auch (noch) keine Hühnerexpertin bin, so bin ich doch Frau und kann ansatzweise nachempfinden, was sie durchmachte. Das Szenario, das sich in diesem Moment in meinem Kopf abspielte, war in Blut getränkt, und ich fuhr so rasch wie möglich mit Waltraud zu unseren Freunden, wo die Tierärztin zufällig gerade vor Ort war. Tja, und das war es dann… mit bitteren Tränen mussten wir uns von Waltraud, dieser so zutraulichen, fügsamen und zufriedenen, wunderschönen Henne verabschieden.

Ich wusste, das so ein Augenblick kommen würde. Jeder, der schon mal ein Haustier hatte, weiß, wovon ich spreche. Das war auch der eigentliche Grund, warum ich nach vielen unterschiedlichsten Tieren drei Jahren lang keines mehr wollte. Aber dass es bereits nach knappen drei Wochen so kommen sollte, war für uns beide bitter.

Flieg, Waltraud, flieg….

Ein Problem haben wir aber bis jetzt noch nicht gelöst: Warum schlafen meine Hühner nicht auf der Stange? Man könnte jetzt sagen: Ist doch ganz egal, wo sie schlafen. Ja sicher, könnte man das. Aber wenn sie sich als Schlafplatz genau MEINEN Hühnerhauseingang ausgesucht hatten und ich daraufhin morgens immer zuerst über deren Kot balancieren muss, um die Eier zu entnehmen (und Hühner produzieren wirklich extrem viel Kot in der Nacht 😳🤭) will ich das einfach nicht akzeptieren. Die Stangen sind perfekt platziert und auch von der Bauart her optimal – schließlich hatten in diesem Hühnerhaus ja schon mal 9 Hühner gelebt – und ich kann auch nichts entdecken, was gegen meine Stangen spricht. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als sie – wie es mir von vielen Seiten empfohlen wurde – nachts, wenn es bereits finster ist – auf die Stangen zu heben, was sie im Grunde problemlos über sich ergehen lassen. Dies soll dazu führen, das sie es irgendwann von selber tun. Tja, die Frage ist bloß:

Wann ist irgendwann…?

2 thoughts

  1. Ach Claudia, war das toll zu lesen! Ich habe förmlich an Deinen Lippen gehangen, hihi. Und kann all die Aufregung, die Unsicherheiten und die ganzen Fragestellungen so gut nachvollziehen. Aber klar, wir Frauen, die – wenn auch vor seeehr langer Zeit – Babys geboren und großgezogen haben, haben da sicher eine Menge Empathie… Ich erinnere mich übrigens noch gut daran, dass ich Dr. YouTube vor vielen Jahren befragt habe, wie man Meerschweinchen die Krallen schneidet! Man kann da wichtige Dinge fürs Leben lernen… 😂
    So traurig, dass das Schicksal es mit Waldtraut nicht gut gemeint hat; was für ein Drama! 🤭 So ein Tier wächst einem doch schneller ans Herz, als man zugeben möchte. 😢
    Ach ja und ich beneide Dich wirklich um die hauseigenen Eier! Das muss ein unglaublich tolles Gefühl sein! 🥰

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  2. Vielen lieben Dank wieder für deinen so lieben Kommentar und vor allem dein weibliches Verständnis 😉 Ich fühle extrem mit mit meinen Hühnern und uns fällt jetzt gerade extra extrem auf, wie oft man das Wort Huhn (bei uns „Hendl“😉) eigentlich verwendet. „blindes Hendl“.. man läuft herum wie ein „aufgescheuchtes Hendl“ usw. denn das tun unsere auch. Und „blind“ sind sie auch oft, wenn sie das beste Futter nicht sehen. Gut sie haben auch nur seitlich ihre Augen und können die Pupille nicht bewegen, weswegen sie auch ständig ihren Kopf so zackig bewegen um eine 3-D-Sicht zu erzeugen. Die Natur ist schon ein Phänomen 💛
    Dr.YouTube ist perfekt in allen Balangen, das haben wir vor allem im Lockdown sehr zu schätzen gewusst. Mittlerweile können wir ja schon fast alles selber „reparieren“ oder bauen 🤣
    Aktuell fühl ich mich in meiner Hühnerschar wie bei GNTM. Eine ist der Außenseiter und es gibt eine deutliche Gruppenbildung. Und damit wir die unpassende Bezeichnung „die Alten“ vermeiden, bezeichnen wir unsere schwarzen Erstlingshühner nun als „die Regierung“ (die in Österreich ja „schwarz“–gut ok jetzt „türkis“ aber vormals „schwarz“) bezeichnen, weil sie auch die Chefs sind, und die anderen drei „die Opposition“ – so wissen wir immer von wem wir reden 🤣. Ich liebe meine „eigenen“ Eier und hab bis zum heutigen Tag bereits 46 Stück bekommen 💛, davon 10 verschenkt und den Rest zumeist als Frühstückseier verspeist.

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