Ich trinke eigentlich am liebsten Leitungswasser. Sirup war deswegen für mich nie ein Thema. Wenn ich viel backe, brauch ich ab und zu ein echtes Coca Cola, und wenn ich viel Sport mache (keine Ahnung, wann das das letzte Mal der Fall….egal 😉) oder nach der Gartenarbeit, dann trinke ich „Gespritzen Apfelsaft“, oder wie meine lieben deutschen Freunde sagen würden: eine Apfelschorle. Das war es dann auch schon mit den süßen Getränken. Aber irgendwie erinnert mich das jetzt an eine kleine Anekdote, die ich euch unbedingt erzählen muss:
MrRight liebt "gespritzten Apfelsaft" und bestellt den sehr gerne, wenn wir essen gehen. (tatsächlich trinken wir eher selten Alkohol zum Essen)
Er bestellt also beim Kellner sein Getränk, worauf dieser frag: "Mit Soda oder mit Leitungswasser?" Liebe Leute, wenn etwas "spritzt", kann es doch kaum mit Leitungswasser zubereitet sein, oder wie seht ihr das? Es endete jedenfalls in einer endlosen Diskussion zwischen dem neunmalklugen Kellner und meinem lieben Mann, der dem Angestellten des Nahrungsversorgungsdienstleister partout seine Frage nicht beantwortete, weil sich die Antwort "in der" Bestellung befand. Das sah der arme Ober leider nicht so, und so nahm das einfach kein Ende. Ich erinner mich nicht mehr, wie die Sache ausing, aber seither fürchte ich immer mehr, dass wir alles verkomplizieren.
Warum nicht einfach, wenn es zweifach sein kann..
Wollte man früher mit jemandem kommunizieren, der nicht in der Nähe war, hat man sich zum Telefonapparat bewegt, den Hörer abgehoben, auf ein Freizeichen gewartet und an der Wählscheibe die passenden Ziffern zu EINER Telefonnummer des Wohnsitzes, der zu erreichenden Person, gedreht. Ihr habt es gelesen, es gab EINE Telefonnummer für womöglich mehrere in diesem Haus lebenden Personen. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen 😉
Wenn wir heute jemanden erreichen möchte, dann haben wir einige – womöglich nicht mehr an zwei Händen abzuzählende – Möglichkeiten: email, SMS, Whatsapp und wie diese ganzen anderen Chat-Apps heißen mögen, via DirectMessage bei Facebook oder Instagram und dann hat natürlich jeder ein Mobiltelefon, wobei jeder in einem Haus wohnende Homo Sapiens mindestens ein Handy hat, und im schlimmsten Fall existiert sogar noch ein Festnetzanschluss.
Da wir mittlerweile dem Irrglauben erliegen,dass bei so vielen Kontaktmöglichkeiten schließlich jeder sofort erreichbar sein müsste, ist die eigene Ungeduld ins Unermessliche gesteigert. Wenn also die eine Person am Handy nicht erreichbar ist, neigen manche dazu, sofort alle anderen, dieser Person nahestehenden Menschen, zu kontaktieren. Unser Ältester macht das sehr gerne so. Im besten Fall schießt er dann noch eine WhatsApp in die Familiengruppe nach. Wohlgemerkt geht es meist nicht ums nackte Überleben, sondern um eine Angelegenheit fernab jeglicher Dringlichkeit.
„Lustigerweise“ ist bei Unternehmen, die man wegen einer Störung, einer Reparatur oder einer Anfrage telefonisch kontaktieren möchte, deren Erreichbarkeit bzw. „Sprechbarkeit“, ins komplette Gegenteil gewandelt, kaum mehr mit Erfolg gekrönt. Mehr noch findet man kaum mehr Telefonnummern auf Webseiten, viel eher begrüßen uns jetzt KI-Chat-Systeme mit festgelegten,programmierten Antworten auf vorgefertigte Fragen, von denen man kaum abweichen kann. Die Geduld wird uns auf diese Weise wieder auf die harte Tour beigebracht.
Bei mir hört die Geduld nicht beim erfolglosen Erreichen einer Person auf; nicht, wenn ich einen Brief oder ein Paket erwarte (Vorfreude ist und bleibt die schönste Freude), bei mir hört die Geduld auf, wenn ich im Baumarkt stehe, wir am ersten schönen FrühlingstagTerrassenfliesen begutachten und die Schlange an der Kasse lang ist. Nein, DA ist meine Geduld nicht am Ende 😉 Wir sind schließlich auch in den Baumarkt gefahren.
An der Preistafel der Fliese steht in deutlichen, großen Buchstaben „online bestellen – 4-5 Werktage Lieferzeit“

Und es ist nicht die Lieferzeit, die mich ungeduldig werden lässt. Nein, auch da bin ich tiefenentspannt, selbst wenn 6 Wochen dort stehen würde. Warten kann ich. Die Geschichte geht weiter:
Wir entscheiden uns dafür, uns nicht in die Schlange zu stellen, sondern diese Platten gemütlich – wie angepriesen – zu Hause online zu bestellen. Da können wir auch noch mal in Ruhe nachrechnen, wieviele Steingutplatten wir benötigen.
Tja, auf der Webseite angekommen, tippen wir, nein, natürlich ICH, denn MrRight lässt mir in solchen Dingen immer den Vortritt. Es ist schließlich besser, den Überblick zu behalten, als selber Fehler zu machen... Ich tippe also geflissentlich die von MrRight diktierten Ziffern in das Suchfeld….. 0 Treffer. Natürlich begann das übliche Eheszenario , dass der eine falsch angesagt hatte, oder die andere die falschen Ziffern getippt hatte. Aber als nach dem dritten Versuch inklusive Rollentausch gewünschter Artikel nicht auftauchte, war Schluss. WIR hatten nichts falsch gemacht. Hier endet meine Geduld.
Wir probierten telefonisch im Baumarkt jemanden zu erreichen, vollkommen zwecklos. Der Geduldsfaden ist mittlerweile SEHR dünn. Über das Kontaktformular auf der Homepage besagten Marktes formuliere ich meine Unzufriedenheit über fehlenden, und doch anscheinend online-bestellbaren Artikel und drücke auf „Senden“.
„Ihre Anfrage ist eingegangen. Sie erhalten innerhalb von zwei Werktagen eine Antwort“ stellt uns neuerlich auf die Geduldsprobe. An Tag 2 die ersehnte Antwort:
"Eine Bestellung dieses Artikels ist in Ihrem Bau- und Gartenmarkt vor Ort möglich. Bitte beachten Sie, dass wir bei Bestellungen im Markt eine Anzahlung sowie Ihre Unterschrift benötigen. Aus diesem Grund ist eine Bestellung per E-Mail oder Telefon nicht möglich. Unsere Fachberater freuen sich auf Ihren Besuch und stehen Ihnen gerne mit Rat und Tat zur Seite. Wir bedauern, dass Sie über das Werbeschild in die Irre geführt wurden. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen."
Der Bau- und Gartenmarkt ist nicht gerade um die Ecke, aber die Sonne lässt unser Gemüt scheinen und so besuchen wir ihn neuerlich, und können dort endlich unsere Terassenplatten bestellen, wohlgemerkt ohne Anzahlung und Unterschrift….. verstehe einer die digitale Welt….
Tja, und wie krieg ich jetzt die Kurve zurück zum Sirup?

Tatsächlich war es auch diesmal ein Gartencenter, das mich auf den Sirup brachte, wohlgemerkt ein anderer, bei dem ich haufenweise Pflanzen im jährlichen Frühlingsrausch erwarb. Mit im Gepäck war dann das Kundenmagazin, und IN diesem Magazin das Rezept für einen…
Magnolien-Sirup

Und da sind wir nun, beim Magnolien-Sirup und meinem Magnolienbaum, der Gott sei Dank noch ein paar Blüten trug. Ich hab in meinem ganzen Leben noch nie einen derartigen Sirup gemacht, bin ich doch weder eine Blütenesserin (fernab der blütenessenden „Ärzte“, wenn das Lied jemand kennt) noch eine freudige Kräutertee-Trinkerin. Ich mag Früchte, keine Blätter!
Aber diesen Sirup hatte meine Neugier geweckt, fand ich es doch so toll, diese Blüten zur Geltung zu bringen. Blüten, die im Grunde immer so armselige an noch blätterlosen Ästen abstehen, meist noch viel zu früh, wenn noch gar kein Terrassenwetter herrscht (2024 stellte diesmal eine Ausnahme dar) und im hinteren Eck unseres Garten kaum gesehen werden.

Ich hatte Blütenblätter, Sirupzucker, Zeit und Glasflaschen. Warum nicht?
Und es war so einfach, bzw wäre so einfach gewesen, wenn ich das Gartenbaumarkt-Magazin ein paar Tage eher gelesen hätte, denn die Blüten waren schon etwas „drüber“.



Und bei einer gründlichen Durchsicht und Reinigung von Erde (die meisten musste ich vom Boden aufsammeln) und Insekten, so war es im Magazin empfohlen (obwohl die EU ja mittlerweile kein Problem mehr mit Insekten in Essen bemängelt) hatte ich dann doch etwas Bedenken und fügte noch Blätter von Beerenminze hinzu (die fand sich so reinzufällig zu Hause, weil ich Beeren gekauft hatte – das grüne Beiwerk hatte ich zur Seite gelegt. Ich mag Früchte, und das sehr konsequent 😉
Und schlussendlich ist ein richtig richtig toller Sirup entstanden. Ohne viel Hexenwerk, einfach zu machen, mit etwas Geduld, die ich im Grunde ja reichlich habe, war nach acht Stunden dieser leicht rosa gefärbter Sirup in vier Flaschen abgefüllt.

ZUTATEN:
30 Magnolien-Blütenblätter
3 Stängel Beerenminze
1/2 Zitrone oder Limette
1,5l Wasser
900g Sirupzucker (mehr hatte ich nicht zu Hause😉
Die sauberen Blüten-Blätter und die in Scheiben geschnittene Zitrusfrucht mit dem kochenden Leitungswasser übergießen. Abdeckt ca. 6-8 Stunden ziehen lassen.
Danach Blätter und Zitrusteile abseihen, den Zucker zugeben und ca. 5 min. kochen lassen.
Noch heiß in Flaschen abfüllen, das erhöht die Haltbarkeit.
See here the way to Magnolien-Sirup 😉
mein kleiner charmanter TIPP an Rande (oder zum Schluss): ein Schuss Sirup in ein Glas Sekt, schmeckt verführerisch nach süßem Frühling, und meinem Sommergetränk 2024.



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