Ich klinke mich aus

In Zeiten von Lockdown, Gurgel- und PCR-Tests, in einer Zeit, in der es eine Zweiklassengesellschaft gibt, in der nur noch die Angst regiert – Angst vor Ansteckung, vor ungewünschten Wirkungen, Angst um Freiheit und Rechte in einem Land, das ich einmal „meine Heimat“ nannte, das Land, in dem die Regierung gestern den „Ungeimpften“ „erlaubt“ hat, Weihnachten in der Familie zu feiern, klinke ich mich aus.

Märchen zu schreiben, war immer schon meine Flucht in eine heile Welt. Der Kleinmädchentraum, dass alles irgendwann gut wird, und der Märchenprinz mich rettet.

Also hab ich entschieden, anstatt einfach meine heurigen Kekse zu zeigen, diese in einer kleinen Parade aufmarschieren zu lassen, und sie mit einer kleinen Geschichte zu schmücken. So, als wäre alles gut. So, als säße ich mit acht Jahren bei meiner Oma in der Küche, und wir genießen die gemeinsam gebackenen Kekse. Heimlich natürlich, den Oma war streng: die Kekse gab es erst zu Weihnachten.

(M)eine kleine Weihnachtsgeschichte „Die Keksparade“

„Jedes Jahr, wenn die Weihnachtsbackstube den Ofen abschaltet, die letzte Vanilleschote verbraucht, das letzte Mehl aus den Ecken gekehrt und die Küche wieder auf Hochglanz poliert ist, versammeln sich alle Kekse auf dem Kekstellerplatz und freuen sich auf die jährliche Parade der neuen Kekskreationen.
Zuerst wird sich umarmt und ausgetauscht. Manche Kekse kennen sich schon, andere sind neu dazu gekommen. Punkt 17 Uhr ertönt ein Glöckchen und alle Kekse müssen für die Parade Platz machen. 
Die eitlen Punschkekse verkrümeln sich gleich. Sie sind beleidigt, dass sie es nicht in die Parade geschafft haben, sind sie doch mit ihrer herrlich glänzenden Fondantglasur und der aromatischen Punschfülle auch eine Neuheit am Kekstellerplatz.
Dominosteine, Zimtsterne und Non Plus Ultra machen gerne Platz für neue Kekse, denn sie waren die letzten Jahre immer wieder zur Parade geladen.
Bauernbrot- und Butterbrotkekse lassen anderen gerne den Vortritt. Sie wissen, dass sie nicht die Schönsten sind, aber sensationell schmecken.
Helles und dunkles Weihnachtsgebäck schämt sich etwas. Sie haben es sich heuer zu gut gehen lassen und liegen mit etwas zu viel Gewicht auf dem Teller.
Die Linzer Augen betrachten alles mit Gelassenheit. Sie wissen, dass sie als Traditionsgebäck nicht auf die Parade gehören, aber sie fühlen sich dafür auch viel zu alt, und die Windringe hängen einfach nur so rum.
Und dann geht es los: alle sind gespannt, welche Kekse sich zeigen werden.
Von Weihnachnachtsmusik untermalt ziehen Hand in Hand die Lebkuchenmännchen aus einer ganz besonderen Mehlmischung, verfeinert mit Koksblütenzucker und dem Knusperhäuschen-Gewürz von Ehrenwort auf den Platz, gefolgt von Geflügel-Keksen, ganz genau sechs Hühner und zwei Hähne - was das wohl zu bedeuten hat? Süß sehen sie aus, aber sind sie tatsächlich etwas Besonderes? Alle sind etwas irritiert. 
Mit einem Tusch sind die Hühner plötzlich weg, alle Kekse kommen langsam wieder näher, weil sie genauer wissen wollen, was denn da so besonders sein soll, als unter den Lebkuchenmännchen plötzlich ein Streit entfacht, wer der Schönste unter ihnen ist. Offensichtlich haben sie vor der Parade schon etwas zu viel Punsch getrunken und sie beginnen sich zu prügeln. Plötzlich gibt Verletze und die Aufmerksamen unter euch, haben es sicher schon gesehen, dass es bereits vor der Parade eine Schneeball-Auseinandersetzung gegeben.
Als ihnen bewusst wird, dass sie damit den schönen Weihnachtsfrieden stören, besinnen und versöhnen sie sich.
Eines ist aber sicher, die Lebkuchenmännchen werden nächstes Jahr nicht die Parade anführen. Vielleicht ja doch die Punschkekse.... Aber das ist eine andere Geschichte“

Lebkuchenrezept

650g Roggn'Roll (Langer Mühle)
(oder 300g Roggenmehl, 300g Weizenmehl und 50g Roggenschrot)
200g Backzucker (feiner Kristallzucker
175g Kokosblütenzucker
125g Honig
3 Eier
65g zimmerwarme Butter
1/2 TL Natron
1/2 TL Backpulver
1 EL Kirschrum
1 EL Rum 60%
1 TL Nelkengewürz, 1 TL Zimt
bzw. "Knusperhäuschen" von Ehrenwort.

ZUBEREITUNG:

Alle Zutaten zimmerwarm mit der Knetmaschine vermengen und final noch mit den Händen durchkneten.

1/2 h kühl rasten lassen und schlussendlich nicht zu dünn ausrollen.

Backen bei 170°C O/U Hitze ca. 12 Minuten

Wer den Lebkuchen glänzend haben möchte, streicht ihn vor dem Backen mit Eidotter ein.

Für Spritzdekor nach dem Backen: 1 Eiweiß mit 300g feingesiebten Staubzucker und etwas Zitronensaft gut mixen.

Zum Kneten von Lebkuchen empfehle ich die die 1100 Watt starke Bosch Optimum. Mit der integrierten Waage spart man Abwasch und eine extra Waage. Auch der Timer ist perfekt, wenn man seine Maschine mal alleine lassen möchte. Und Eiweiß schlägt sich euch mit dem Automatikprogramm ganz von alleine.

WERBUNG: genannte Produkte und Firmen nenne ich aus persönlicher Begeisterung, weil ich sie auch tatsächlich verwende. Amazon-Links erfolgen im Rahmen des Amazon-Partner-Programms. Bei Käufern erhalte ich dafür eine kleine Provision.

One thought

  1. Ach meine Liebe, diese Corona-Geschichte macht uns doch alle so mürbe und dünnhäutig. Ihr hattet ja erschwerend schon wieder einen Lockdown und jetzt wo Omikron am Start ist, warten wir alle wohl auf den nächsten… Und eigentlich hätten wir alle gerne unser altes Leben zurück! 😔
    Da sind kleine Fluchten aus dem Alltag durchaus verständlich und mehr als erlaubt. Wie hübsch ich Deine Kekspararde finde, habe ich Dir ja schon auf IG geschrieben. Ganz toll gemacht und toll gebacken sowieso. Und immerhin hast Du genug Kekse – nicht nur für die Parade sondern auch noch für die Zuschauerreihen (bis auf die letzten Plätze). 👏🏻👍🏻 Daran würde das bei mir schon scheitern. Ich bin ganz stolz, immerhin zwei Sorten gebacken zu haben! 😅
    Ich wünsche Dir ganz zauberhafte Weihnachten mit Deiner Familie und Deinem Enkelkind. Weihnachten ist und bleibt ein Familienfest. Passt aufeinander auf und bleibt gesund! 😘

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