Das ist eine Frage, die mich gerade jetzt auf Reha sehr stark beschäftigt. Mit einer Autoimmunerkrankung ist es dir und deinem Umfeld nicht unbekannt, dass man dir zb mit einer Erkältung nicht die Hand gibt, oder dir vor einem Besuch sagt, dass man sich nicht gut fühlt. Du selber weißt, wie nahe du anderen trittst und achtest auf ein ansteckungsfreies Leben. Und das ist gar nicht so schwer.

Noch vor zwei bis drei Jahren haben wir sie belächelt, die Koreaner, wenn sie mit ihrem Mund-Nasenschutz unsere Seilbahnen betreten und unsere Berggipfel damit bewandert haben. „Bewandert“ ist vielleicht übertrieben, denn egal bei welchem Wetter sah man sie in Schuhwerk, das wir nicht mal im Hallenbad anziehen würden, aber das ist ein anderes Thema.

Nun haben wir ja seit einem knappen Jahr eine komplett andere Sichtweise, vor allem eine andere Sichtweise auf unser Gegenüber. Kein Lächeln im Supermarkt, keine kurze Plauderei, eher ein aneinander vorbei huschen, weil man sich sowieso schwer erkennt. Erschwert durch das Weglassen der Brille, weil die ja sonst beschlägt. Die Plauderei wird ausgelassen, weil man sich durch den Mundschutz sowieso schwerer versteht und man das Thema, das uns alle beschäftigt, eigentlich vermeiden möchte, weil man nie weiß, wie dein Gegenüber dazu steht. Denn eines wird klarer als davor: Die Meinung des anderen ist immer weniger gefragt und immer weniger geduldet. Denn es gibt für jeden nur EINE Wahrheit, die eigene. Das ist das einzige, was mir an dieser „Pandemie“ wirklich Angst macht – nämlich was es aus uns Menschen macht. Statt mehr „miteinander“ streben wir aktuell mehr „auseinander“ und „gegen einander“ an, und das sollte doch niemals unser Ziel sein. Was haben wir von drei Überlebenden, die sich von einem gekenterten Schiff auf eine Insel retten konnten, die sich immer aus dem Weg gehen, sich gegenseitig anschwärzen und verdächtigen. Da wird die Menschheit relativ schnell aussterben.

Sollten wir nicht eher ein Bewusstsein für gegenseitige Rücksichtnahme schaffen? Respekt für den Raum des anderen? Miteinander reden? Ein „Ich geb dir heute lieber nicht die Hand, ich bin verkühlt“, statt ein „mit Mundschutz sind mir alle anderen egal, weil ich geb eh schon mein Bestes“

Was alle immer bei der ganzen Geschichte vergessen, ist, dass wir eine 100%ige Mortalitätsrate haben. Kein Mensch wird sein Leben je überleben und keiner weiß, wann die Zeit abgelaufen ist. Menschen wie ich, die eine chronische Erkrankung haben, oder Menschen mit schwerwiegenden Erkrankungen mit wenig Überlebenschance sind sich dessen absolut bewusst. Aber irgendwie kommt mir vor, dass der übergewichtige Nerd, der jeden Abend vor dem PC verbringt, sich ungesund ernährt und bereits ein Herzproblem hat, sich erst jetzt dessen bewusst ist, und sich als besonders schützenswert in die Risikogruppe einreiht. Er war auch vor dieser Pandemie schon Risikogruppe, aber da war niemand anderer dran schuld.

Gegenseitige Rücksichtnahme, einander Zuhören, aufeinander Eingehen, Bewegunslegastheniker zu mehr Bewegung animieren mit Programmen, die auch Spaß machen können, Ernährungscoaching auf Kasse, um nur einige Ideen zu nennen. Wie wäre es zum Beispiel, wenn das viele Geld, das aktuell ausgegeben wird, in einen wöchentlichen Arztbesuch in Firmen investiert würde. Wie viele gehen nicht zum Arzt oder melden sich aus Pflichtbewusstsein nicht krank und gehen dann zur Arbeit, stecken dabei vielleicht die Kollegen an?

Ich hab so viele Ideen, aber eines muss ich leider sagen: Wir werden – egal wie sehr wir uns auch bemühen – alle irgendwann mal sterben. Vielleicht sollten wir da auch mal mehr drüber reden.

💛tschau – baba💛

Photo by Sharon McCutcheon on Pexels.com

2 thoughts

  1. So sieht‘s aus! Und Rücksichtnahme wird hier auch eher klein geschrieben. Ich weiß wovon ich rede, da ich gerade eine (offiziell genehmigte) Messe überstanden habe, bei der sich weite Teile des Teams auf „ich hab vor 4 Tagen einen Test gemacht und war negativ, also kann nichts passieren und ich brauche auch keine Maske zu tragen“ ausgeruht hat. Das fand ich einigermaßen beängstigend!
    Lustig auch, dass ich anscheinend Koreanerin bin! Ich hab nämlich in Österreich auch schon Wanderungen in Flipflops absolviert. Aber – zu meiner Entschuldigung – das war auch nicht die Besteigung des Großglockners. 😅

    Gefällt 1 Person

    1. Eine Wanderung in FlipFlops kann zu einem Einreiseverbot oder zu einer Hüttenbewirtungsverweigerung führen 🤣🤣 ich hoffe, dessen bist du dir bewusst 🤣… sagt die, die im letzten Sommer mit Outdoor-Sandalen einen Gipfel bewandert hat 🙈😉

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