Da mag sogar ich Ketchup 😉

Also ich mag ja eigentlich kein Ketchup! Und so fängt man bestimmt auch keinen Foodblog-Beitrag zum Thema „selbstgemachtes Ketchup“ an, aber es stimmt, denn im Grunde brauche ich Ketchup weder zu Pommes noch zu Grillwurst, so wie viele andere. Entweder mir schmeckt das, was ich esse, oder nicht 😉 da brauch ich keine Gewürzcreme, um mir den Genuss erträglicher zu machen =) Schon mal aus diesem Blickwinkel betrachtet?
Aber es gibt tatsächlich etwas, wo ich Ketchup dazu liebe, und das ist Schinken-Käse-Toast, weil da das „Tomatige“ einfach super gut dazu passt. Und schon ganz lange, wollte ich Ketchup selber machen. Aber nicht wie meine Oma (sorry liebe Oma, aber bei dir schmeckte es irgendwie immer wie dicke, kalte Tomatensuppe), sondern es sollte tatsächlich wie Ketchup schmecken – es war also (m)eine kleine „Kitchen impossible“ 🙂
Wie kam’s?
Wenn du regelmäßig auf dem Wochenmarkt bist und vielleicht sogar den einen oder anderen Händler schon mit Namen kennst, dann ist das genau das, was ich mich immer wieder hingehen lässt. Ich mag es einfach „persönlich“ 💛
Schon an der Hand meiner Mama fand ich es immer so nett, wenn der Gemüseverkäufer sie mit Namen oder „gnädige Frau“ begrüßt hat, und dann „nur für sie“ die schönsten Paradeiser rausgesucht hat.
In Zeiten von Selbstbedienungskassen und Supermärkten, in denen die Verkäuferinnen fast ausschließlich nur mehr Regalbetreuerinnen sind, genieße ich es, wenn jemand mich und meine Vorlieben kennt, ich nicht lange suchen muss und außerdem weiß, dass ich mich auf die Qualität der Produkte verlassen kann, denn meist weiß ich sogar, wo der Hof des Verkäufers steht.
Aber so ein Wochenmarkt hat auch einen anderen großen Vorteil: Man darf die Ware noch verkosten 💛 Für mich persönlich sollte Obst und Gemüse niemals Selbstbedienung sein. Abgesehen von der permanenten Angrapscherei, bin ich der Meinung, dass man die Möglichkeit haben sollte, zu verkosten, und auch fachlich beraten zu werden. Und das liebe ich an meinem Wochenmarkt.
Und als ich letztes Jahr im August eines Tages erst am späten Nachmittag zum Wochenmarkt kam, packte der Gemüse-Ferdi gerade eine ganze Schachtel Tomaten nach hinten. Er würde sie wegschmeissen, da einige schon angeschlagen und faulig sind, meinte er, die ließen sich nicht mehr verkaufen. „Darf ich sie haben?“, fragte ich, „ich mach Ketchup draus, da sind die schönen Tomaten sowieso viel zu schade.“ Der Ferdi war begeistert, und hat mir die ganze Schachtel geschenkt denn leicht fiel es ihm nicht, Lebensmittel wegzuschmeissen. Tja, das war schon letztes Jahr, und nie bin ich dazu gekommen, darüber zu schreiben.
Nun werden heuer im Rahmen des Austrian Foodblog Award Beiträge unter dem Motto „Rezepte für eine bessere Welt“ gesucht. Es geht unter anderem um „essen-retten“, Resteverwertung, „von der Schale bis zum Kern“ , no waste und Wiederverwendung von Verpackung, und wenn da nicht mein „too good to go“-Ketchup, das ich in ausgewaschenen 1/2l-Milchflaschen abgefüllt hab, perfekt zum Thema passt, dann weiß ich auch nicht 🧡



Und das brauchst du:
- eine große Menge überreife Tomaten (alle anderen wären echt zu schade) Ich hatte so ungefähr 5kg
- einen großen Bräter
- eine Flotte Lotte
- viel Zeit
- einen Teefilterbeutel
- 250ml Apfelessig
- 2 kleine Äpfel
- 1 große Zwiebel
- 100 g braunen Zucker
- 2 EL Dattelsirup
- 2 TL Zitronensäure
- 5 Knoblauchzehen
- 2 EL Tomatenmark
- Gewürze: 3-4 EL Salz , Pfeffer, 3 TL Paprika edelsüß, 2 Lorbeerblätter, 1 Zimtstange, 10 Gewürznelken)
- Gelierzucker
Schritt 1: Vorbereitung
Tomaten waschen und halbiere, Strunk entfernen und grob zerteilen
Apfel entkernen und ungeschält grob reiben
Zwiebel und Knoblauch schälen und ebenfalls grob schneiden
Gib alle groben Gewürze in einen Teefilterbeutel und verschließe ihn gut mit einem Küchengarn
Schritt 2: vermengen und reduzieren
Alle Zutaten bis auf den Gelierzucker (!!!) in den Bräter füllen, etwas durchmischen, den Teebeutel mit den Gewürzen einlegen und kurz aufkochen.

In der Zwischenzeit das Backrohr auf 180°C Ober-Unterhitze aufheizen und den Bräter ohne Deckel einschieben. Koche nun den Inhalt um die Hälfte ein. Das kann bis zu 4 Stunden dauern. Entferne den Gewürzbeutel und lasse anschließend alles durch die Flotte Lotte in einen Kochtopf

Schritt 3: Konsistenz und Geschmack
Und nun kommt der schwierigste Teil: das Abschmecken und das Erreichen der richtigen Konsistenz wie bei Kitchen Impossible.
Ich wollte Ketchup, das wie Ketchup schmeckt und auch die Konsistenz von Ketchup hat, kein Tomatenpulpa oder eine Tomatensauce. In einem Schüsselchen hatte ich gekauftes Ketchup meiner 1. Wahl, und dann folgte eine Vergleichsverkostung der Nächsten. Aber bald musste ich feststellen, dass es einfach Zucker braucht, das ließ sich nicht umgehen. Ich war aber auch nicht auf der Suche nach einem zuckerfreien Ketchup, genauso wie ich Marmelade nicht ohne Zucker herstelle. Und obwohl ich nirgends im Internet etwas darüber fand, dass jemand jemals Gelierzucker in sein Ketchup gegeben hätte, hab ich das – rein der Logik nach – getan, und das Ergebnis war perfekt 💛



Ich kann in diesem Fall nur raten, dem eigenen Geschmack zu folgen und wenn du auch Ketchup in der bekannten Konsistenz genießen willst, dann wiege deine Masse, bei mir waren es knapp 2kg und füge 10% davon an 3:1 Gelierzucker zu (also 200g). Lasse das Ganze 2-3 Minuten köcheln und ich war anschließend richtig richtig begeistert, dabei bin ich nicht mal so ein Fan von Ketchup 🤣
Am Ende konnte ich 4 Stück 1/2-Liter Flaschen abfüllen (ich hab die Flaschen von der Buttermilch verwendet – da kam sogar etwas retro-Feeling auf 😉)
Schritt 4: Haltbar machen
Damit selbst gemachter Ketchup auch länger hält, rate ich folgendes:
Ketchup direkt heiß in ausgekochte Gläser/Flaschen füllen und mit Schraubverschluss verschließen. Bachrohr auf 180°C einheizen. Ein Backblech mit Wasser auf die unterste Schiene einschieben, die Flaschen/Gläser darauf verteilen ohne dass sie sich berühren. Wenn man erkennt, dass der Inhalt köchelt, Temperatur für eine halbe Stund auf 130° reduzieren. Flaschen am besten über Nacht abkühlen lassen.
Schritt 5: Geschmackstest
Wenn deine Kinder – die Fast Food Generation – dein Ketchup loben, dann hast du wohl alles richtig gemacht 🤣



Hinterlasse eine Antwort zu Ein Nudelsieb bloggt Antwort abbrechen