Was, wenn ich nicht gerne alt werde….?
Ich hab…
…haufenweise Bäume gepflanzt, ein Haus gebaut, drei Kinder geboren und halbwegs erfolgreich großgezogen, bin immer noch (meist) glücklich mit demselben Mann, dem Vater meiner Kinder, verheiratet und hab bereits ein Enkelkind in den Armen gehalten….
… hab jede Menge Kindergeburtstage gefeiert und Geburtstagskuchen gebacken, über schlechte Note hinweggetröstet (manchmal mich, und manchmal die Jungs) und deren Erfolge gefeiert. Hab schlaflose Nächte vor Sorge verbracht, Wunde nähen lassen, Fäden gezogen und Tränen getrocknet. Hab irgendwann gelernt, wann es nichts bringt, auszuflippen, sondern besser ist, Ruhe zu bewahren.
..eine ordentliche Schulbildung genossen, eine Karriere angestrebt, diese erfolgreich in den Sand gesetzt, aber genug erreicht, um zu wissen, wie es ist, wenn man die Strippen zieht und „was zu sagen hat“…. hab eine Uni und Lehrsäle von innen gesehen und so manche Fortbildung besucht. Hab geliebt und gehasst, was ich tu.
Hab zu viel getrunken, zu viel geraucht, zu viel und oft das Falsche gegessen. Das Falsche gesagt und mich danach mies gefühlt, aber auch viel Richtiges gesagt und oft aber auch nicht über die Lippen gebracht. Liebesbriefe geschrieben und bekommen. (bloß hat mir nie jemand ein Liebeslied geschrieben…. 😉 )
Bin oft tollpatschig, aber auch mutig gewesen, hab vieles kaputt gemacht und manchmal Dinge repariert.
Ich hab in allen Himmelsrichtungen viele Länder bereist, tolle Städte besichtigt und wunderschöne Landschaften gesehen – war mit Schiff, Flugzeug, Motorrad, Leihauto oder unserem alten Camper unterwegs. Hab beim Reisen jede Witterung und fast jedes Klima kennen gelernt und in Apotheken Wehwehchen, Verletzungen und Krankheiten in verschiedensten Sprachen und mit Händen und Füßen erklärt.
Hab so ziemlich jedes Haustier gehalten (meist der Jungs wegen) vom Wellensittich, über Hamster, Meerschweinchen, Hasen, Katzen, Hund und Fische. Hab Katzenbabys und einen Hundenwelpen großgezogen und so manches verletztes Tier aufgepäppelt.
Auf meiner „to do before die“ – Liste ist schon fast alles abgehakt: der Fallschirmsprung, der Sonnenaufgang am Berg zu Neujahr, eine Kreuzfahrt, mit einem Rad rund um einen See, auf einen Berggipfel rauf, den Donauradweg runter und über die Golden Gate Bridge radeln, die Freiheitsstatue in New York, den Eiffelturm in Paris und den Buckingham Palace in London in echt sehen, einmal eine Kolumne in einem Magazin geschrieben und bin in der Zeitung gestanden. Hab etwas richtig Tolles gewonnen und selber Tolles geschenkt.
Bin Klettersteige hochgezittert, Indoor-raufgeklettern und runterfallen, Gleitschirm alleine und Tandem-geflogen und auch notgelandet, mit einem Motorflieger im Zweisitzer mitgeflogen, bin Skitouren gegangen, die eher ein Nahtoderfahrung gleich kamen und auf Mountains-gebiket. Hab viele, viele Berggipfel erwandert und tolle Aussichten genossen.
…hab jeden Streit gestritten, von richtig wild mit zerbrochenem Geschirr bis einfach nur bissig und kurz. Streits mit tränenreicher Versöhnung und auch ewigem Schweigen. Hab Freundschaften zerbrochen oder freiwillig beendet, und gelernt, was echte Freundschaft bedeutet, und dass es davon nicht viele gibt. Hab vielen Menschen Freude bereitet, aber auch Kummer. Hab richtig Scheiße gebaut und hab sowas auch vergeben. Hab glücklicherweise die Liebe gefunden und geliebte Menschen beerdigt. Das ist das Leben.
Heute hat eine 40-Jährige ihr Herz bei mir ausgeschüttet, dass sie momentan nicht weiß, wie ihr Leben weitergeht, und was da noch kommt? Ja, was kommt noch?
Sind wir Frauen geprägt durch das Gebären von Nachwuchs? Sind wir planlos, wenn diese Aufgabe erfüllt ist?
Auch ich frag mich in letzter Zeit einfach oft: Was kommt jetzt noch? Welche Perspektive hat das Leben noch zu bieten? Reicht es mir, dass jeden Tag die Sonne aufgeht, im Frühling die Blumen blühen und das Auto zum Service muss?
Mir macht das Älterwerden einfach keinen Spaß. Die eigenen Kinder glauben plötzlich, das sie einem sagen müssen, was gut für einen ist, was man darf und was nicht. Vorher noch lässt dich als Frau sowieso dein Körper im Stich, die Schwerkraft zieht alles nach unten, was geht, kleine Lachfältchen werden von einer Nacht auf den nächsten Morgen zu riesigen Furchen, um den Bauch legt sich die „tote Katze“ und von den Winkeärmchen will ich gar nicht reden. Dass wir keine Kinder mehr bekommen können, ist ja einerseits ein Segen, aber andererseits haben wir ja damit schließlich unserer Schuldigkeit getan. Und während wir Frauen die Weiblichkeit in Pension schicken, können unsere Männer bis zum Tod Kinder zeugen und haben meist das Glück, im Alter sogar schöner zu werden, außer sie haben den Fitness-Zug mit 40 verpasst. Die grauen Haare, vielleicht ein schöner Bart, auch eine Glatze kann was haben, und beim älteren Mann ist sogar ein kleines Wohlstandbäuchlein süß, weil ER im Alter milde wird und langsamer. Er hetzt mit dir nicht mehr durchs Einkaufszentrum, weil auch er etwas mehr schnaufen muss oder gerne mal die hübschen jungen Damen beobachtet, er hört schlechter und hat folglich nicht mehr auf alle unsere Fragen, die wir ins Universum schicken, eine Antwort mit der passenden Lösung für unser Problem, das wir gar nicht gelöst haben wollen.
Und wir? Nein, WIR werden nicht schöner, auch nicht milder. Wir sind gereizt, die Wechseljahre wechseln unser fröhliches Gemüt gegen einen gereizten, schwitzenden und nachtwandelnden Unruhegeist aus. Kein Wunder, dass uns der eigene Mann oft nicht beachtet, wir erkennen uns ja morgens manchmal nicht mal selber im Spiegel. So sehr du dich bemühst, auf deine Ernährung zu achten, ab den Wechseljahren legt dein Körper jede Kalorie sofort gut an, als würde es Zinsen dafür geben. Außerdem zahlt er dir alles heim, was du ihm jemals angetan hat, denn du hast dich mit drei Kindern, Haus, Garten und Beruf immer um alles und alle gekümmert, nur nicht um dich, und um ihn. Mit 40 gibst du noch mal alles, schreibst dich bei MissSporty ein, kletterst mit Knieschmerzen auf jeden Berg, machst Zumba und später Yoga, nur um schlussendlich zu erkennen, dass es dich weder jünger noch schmerzfreier macht.
Also, was kommt noch und auf was soll ich mich freuen? Was soll neben einem kleinen Tattoo, einer Ballonfahrt, einer Reise nach Japan, ein Buch zu veröffentlichen und ein eigenes Pony zu halten noch auf meine Liste, oder reicht das schon? Oder braucht es gar keine eine Liste? Warum kann ich das Leben nicht einfach mit offenen Armen in Empfang nehmen, ohne Angst zu haben, etwas zu versäumen oder etwas vergessen habe, zu erleben? Und warum hab ich das Gefühl, nun doch langsam für manches zu alt oder zu krank zu sein?
Schreib mir doch gerne in die Kommentare, was ich übersehen hab…..


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