Peach Keen Pie

the american way of baking an „biking“

Ich räume heute mal mit dem Vorurteil auf, dass wirklich alle Amerikaner dick sind und nicht kochen können. Nachdem ich tatsächlich schon einige Male in den USA war, weil ich eine Freundin in San Francisco habe, kann ich aus eigener Erfahrung anderes berichten. Gerade in Kalifornien hab ich so viele Menschen bei jedem Wetter laufen, Rad fahren oder auch trainieren gesehen, wie sonst in keinem anderen Land. Und ja, es stimmt, in Schweden gibt es bestimmt die meisten Radfahrer (oder auch in Holland), aber für die ist es ein Fortbewegungsmittel (im Kostümchen oder im Anzug per Fahrrad in den Arbeit ist dort einfach ganz normal). In Kalifornien ist es ein Fitnessgerät. Das ist ein bedeutender Unterschied.

Was das Kochen betrifft, so sind die Amerikaner bestimmt nicht mit den Franzosen zu vergleichen. Isst der Franzose mit allen Sinnen, so geht es beim Amerikaner hauptsächlich ums Sattwerden 😉 An Fleisch und Fett wird nicht gespart, und Kreativität fehlt ihnen meist komplett. Deswegen gibt es in jedem Diner das, was es schon immer gab 😉 Aber ich liebe dann genau DIESES Diner-Frühstück, wenn ich in Amerika bin. Und wer noch nie an Thanksgiving in Amerika war, sollte dieses wichtigste Familienfest nicht versäumen, denn alle, wirklich alle, fahren „nach Hause“ und alles hat geschlossen. Und dann wird „zu Hause“ gemeinsam gekocht – Truthahn selbstverständlich – und sich bedankt, für all die lieben Menschen und das Gute, das einen erreicht hat. 2018 durfte ich mit MrRight in SanFrancisco bei meiner Freundin so ein Thanksgiving erleben, und es zählt immer noch zu einem der beeindruckendsten Familien&Freunde-Kochevents, an denen ich teilnehmen durfte. Love is in the Air, kann ich da nur sagen.

Bilder aus SanFrancisco, Sonoma und Napa – für ich ist der Spät-Herbst tatsächlich die schönste Jahreszeit in dieser Gegend.


Dennoch wage ich es zu behaupten, dass das, was es typischer Weise in Amerikas Küchen gibt, niemand so gut hinbekommt, wie die Amerikaner. Meist simpel, aber genau deswegen unvergleichlich. Die besten Spare Rips, den besten Burger (und ich spreche NICHT von FastFood-Ketten), den besten Donut, das perfekte Spiegelei (Fried Eggs in !!vielen!! Varianten auf den Punkt!!), deren Cheesecake, und der American Pie – einfach immer unglaublich lecker, kaum zu imitieren, und doch so einfach.

Bei „American Pie“ denken sehr sehr viele sofort an die Reihe von Jugendfilmen, von denen der Erste 1999 veröffentlicht wurde. Und googelt man diesen Begriff, käme man auch kaum auf die Idee, dass es sich tatsächlich um einen Kuchen handelt.

Der „AMERICAN PIE“ ist aber der Inbegriff des amerikanischen (und auch englischen) „Kuchens“. Als Pie werden alle Gerichte bezeichnet, bei denen verschiedene Zutaten unter einer Teigdecke geschmort oder gebacken werden. Es verbirgt sich also einiges hinter einer Pie.

Über eine Freundin erfuhr ich von dem „USA-Kochbuch“ von Sheila Lukins, und nachdem die Kopien immer mehr wurden, ergatterte ich doch tatsächlich noch ein gebrauchtes Exemplar in Deutsch zum Schnäppchen-Preis von 2,80€, und ich LIEBE es. Zeigt es doch, wie vielfältig die amerikanische Küche ist: Fünf Zentimeter dick mit über 600 typischen Rezepten auf über 600 Seiten ist dieses Kochbuch zurecht ein Bestseller.

Pie

„…Vor allem die pies (Kuchen) sind – mit oder ohne Früchten – Ikonen amerikanischer Kultur. Sie werden in unseren Volksliedern gleich dutzendweise besungen und in vielen Comics vom Fensterbrett gestohlen. Solche Wertschätzung basiert wohl darauf, dass wir Amerikaner einfach verrückt nach pies sind. Denken Sie nur an die Fülle von pies zu Thanksgiving … “ (Auszug aus dem Buch „USA-Kochbuch von Sheila Lukins“)

Ein Pie ist nicht einfach ein Pie. Gibt es schon alleine vier Teigbereitungsrezepte. Mit Simple Pie Crust, Classic Pie Crust, Buttery Pie Crust und Sweet Pie Crust hat man da schon die Qual der Wahl, und trotz der anmutenden einfachen Zubereitung, steckt tatsächlich wesentlich mehr dahinter als man annehmen könnte. Auch der Teigdeckel ist nicht unbedingt Pflicht, gehört für mich aber definitiv dazu.

What’s different?

Alle diese Teige unterscheiden sich vor allem in Fett- , Zucker- und Eimenge, wobei nur im Buttery Pie Crust 1 Ei vorkommt, dafür gar kein Zucker, und deswegen ist das auch der Kuchenteig, den ich für meine American Pies verwende.

Aber was alle Teige gleich haben, ist die Verwendung von „Eiswasser“, denn für das Gelingen des „Pie“ gibt es tatsächlich sehr viele Tipps und Tricks. Wer also denkt, hier wird lieblos etwas in eine Form geklatscht, das man dann nicht stürzen kann, der irrt gewaltig.

Ein Pie bleibt ein Pie, bleibt ein Pie…

Und da wären wir wieder bei dem amerikanischen Backen. Sie mögen es groß, üppig und „Hauptsache viel“ heißt es bei Deko von Torten. Offensichtlich haben es die Amerikaner nicht so mit feiner Dekoration. Infolgedessen sieht jeder Pie irgendwie aus wie der andere, und ich vermute, dass man erst beim Aufschneiden wirklich weiß, ob er süß oder herzhaft ist.

Dennoch bleibe ich heute bei der gängigsten Form von Pie – mit (eingeschnittenem) Deckel.

Tipps

Die Zutaten für den Teig sollten nicht zu lange verknetet werden – ähnlich wie beim Mürbteig.

Die Form wird nicht gefettet! Im Teig ist genug Butter, sodass sich die Stücke gut aus der Form heben lassen, denn ein Pie wird immer in der Form serviert oder „mitgebacht“

Damit die Füllung den Teig nicht aufweicht , wird dieser mit einer Eiweiß-Wasser-Mischung bestrichen, denn bei einem Pie soll der Boden nicht „feucht“ werden!

Der „Teig-Deckel“ eines Pies soll die Form verschließen. Deswegen den Boden so weit ausrollen, dass er am Rand so hoch hinauf gezogen werden kann, dass er noch um den Rand nach unten gestülpt werden kann. Sobald der Teig-Deckel aufgelegt wird, wird dieser mit dem übergestülpten Deckel verschlossen. So bleibt auch die Füllung im Pie. Durch die Deckel-Schlitze könnte während des Backens etwas Flüssigkeit heraus-blubblern, deswegen empfiehlt es sich, auf das Backgitter eine Lage Backpapier unter die Form zu legen.

Das brauchst du:

  • eine relativ hohe (mind. 4cm) runde Keramik-Auflaufform (das schwedische Möbelhaus hat übrigens die ideale Höhe),
  • ein Messer,
  • Backpapier,
  • ein Nudelholz und
  • eine Schüssel.
  • Ja, nicht mal eine Küchenmaschine, denn die meisten Amerikaner besitzen so etwas gar nicht, zumindest nicht, um Teig zu kneten. Und los geht’s:

REZEPT – 1 Peach Keen Pie

ZUTATEN für den Pie-Teig :

  • 375g Weizen/oder Dinkelmehl
  • 1 Ei
  • 190g kalte Butter
  • 1 Pr Salz
  • 6 EL Eiswasser
Mehl und Salz in einer großen Schüssel vermengen, die kalte Butter in Stücken zugeben und alles zusammen mit den Händen grob zerbröseln
Das Ei mit 6 EL Eiswasser versprudeln und über die verbröselte Masse gießen
Nun mit den Händen kurz und kräftig zu einem glatten Teig verkneten, diesen halbieren und jedes Teigteil platt drücken und eingewickelt in Frischhaltefolie eine Stunde lang in den Kühlschrank legen.

ZUTATEN für die Pfirsich-Füllung

  • 6 Stk. frische Pfirsiche (man kann natürlich auch Dosenpfirsiche verwenden 800g)
  • 150g Zucker (ich nehme immer 1:1 braunen und weißen Zucker gemischt)
  • 50g Maisstärke (Maizena)
  • Saft von 1 Zitrone
  • Muskatnuss
  • ich hab für meine Füllung noch verwendet: etw. frische Minze, Zitronen-Verbene und Zitronen-Thymian)
  • für das Finish: 1 Eiweiß und 1 EL Wasser, 2 TL Zucker und 2 EL Butter

Während der Teig kühlt, einen großen Topf mit Wasser zum Kochen bringen. Die Pfirsiche über Kreuz einschneiden und für ca. 30-60sec ins kochende Wasser legen. Danach lässt sich die Haut ganz einfach abziehen und der Kern entfernen.

Die Pfirsiche nun grob in dicke Scheiben schneiden, und mit Zucker, Stärke, Muskatnuss, Zitronensaft und den Kräutern vermengen. Diese Mischung zieht jetzt etwas durch und wird „flüssiger“

Backrohr auf 200°C Ober-Unterhitze vorheizen

Nach einer Stunde Kühlung beide Teigplatten aus dem Kühlschrank nehmen, ein Backpapier auf die Arbeitsfläche legen und die erste Teigplatte aus der Folie auf das Backpaier legen. Frischhaltefolie darüber ausbereiten und in die gewünschte Form ausrollen. Der Teig sollte einen Durchmesser haben, der die Höhe der Form PLUS 1cm einrechnet, damit der Rand dann auch noch gut außen über den Rand der Form gestülpt werden kann. Nun das Ganze umdrehen, sodass die Folie auf der Arbeitsfläche liegt, das Backpapier entfernen und den Teig nun mit der Frischhaltefolie an der Oberseite in die Form umstürzen. Durch die Frischhaltefolie, an dem der Teig noch haftet, kann die Lage des Teiges auch noch korrigiert werden. Nun den Teig gut an den Rand und hoch über die Form drücken und dann erst die Folie entfernen.

1 Eiweiß mit etwas Wasser versprudeln und den Teigboden bis über den Rand hoch – also komplett! – damit einstreichen.

Die Füllung auf dem Teigboden verteilen und ein paar Butterflocken oben auf verteilen.

Den zweiten Teigteil nun um 1cm größer als den Durchmesser der Pie-Form ebenfalls auf Backpapier mit Folie ausrollen. Die Folie entfernen und den Teig einmal zur Mitte und dann noch mals zur Mitte auf ein Viertel einklappen und mit einem spitzen Messer zwei oder drei Schnitte setzen. Den Teig danach auf die gefüllte Pie-Form setzen und wieder ausklappen. Die Ränder gut verschließen.

Nun wird der Deckel ebenfalls mit der Eiweiß-Wasser-Mischung bestrichen und wen man es etwas crunchy mag, noch mit Zucker bestreut.

Auf das Backgitter im Ofen ein Backpapier ausbreiten und die Pie-Form darauf in den Ofen schieben. Durch das Kochen der Füllung kann durch die Schlitze etwas Flüssigkeit heraus-blubbern und landet so nicht auf dem Backrohr-Boden.

Gebacken wird ein Pie ca. 60 min . Nach 30 min kann man den Rand etwas mit Alufolie umhüllen, damit dieser nicht so dunkel wird. Ich persönlich backe den Pie immer ca. 45min bei voller Hitze, schalte danach die Temperatur ab und lasse ihn danach aber noch 15 min bei der Resthitze im Rohr fertig backen. Es heißt, dass ein Pie fertig ist, wenn die Füllung ordentlich blubbert, aber das ist dann doch etwas schwierig zu deuten.


Ein Pie schmeckt am nächsten und am übernächsten Tag am allerbesten. Außerdem ist dann die Füllung auch so „fest geworden“, dass man schöne Stücke schneiden kann. Die Amerikaner allerdings legen nicht so viel Wert auf „Aussehen“ und lieben in warm mit Vanilleeis, was bestimmt auch toll ist. Dann lässt er sich aber bestimmt nicht aus der Form heben, sondern „löffeln“ ;), was dem Geschmack keinen Abbruch tut.

Ich wünsche euch eine GUTE REISE 😉

3 Antworten zu „Peach Keen Pie“

  1. Liebe Claudia,

    sieht so köstlich aus, Dein Pfirsich Pie….ich hätt‘ jetzt grad wahnsinnig Lust auf ein Stück davon!!! Vielen Dank für die wunderbare Beschreibung mit Videos, wie’s funktioniert… und natürlich, dass Du uns mit den schönen Fotos auf Eure Reise nach San Francisco mitgenommen hast. Den Pie probier‘ ich bestimmt demnächst aus. Der ist genau nach meinem Geschmack.

    Liebe Grüße,

    Amalie

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    1. Ich kann dir diesen Pie echt ans Herz legen – so fruchtig und auch gar nicht so süß. Es freut mich riesig, dass du auch durch die Bilder von San Francisco gestöbert hast. Ich liebe diese Stadt.

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  2. […] am selben Tag, als ich auf Instagram meinen Peach Keen Pie gepostet hatte, hat Christa, eine liebe Blogger-Freundin aus der Schweiz, die man auf Instagram als […]

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