typisch oberösterreichischer „Kaffeehausklassiker“

Auf oberösterreich.at fand ich folgenden Absatz in einem Beitrag zum Thema „Echte oberösterreichische Kulinarik-Besonderheiten“ : „Die Linzer Torte könnte man schon fast als immaterielles Kulturerbe betrachten, ganz Österreich kennt und liebt sie. Für viele Oberösterreicherinnen und Oberösterreicher ist jedoch das Apfelschlangerl die typische Mehlspeise, die die Oma am Sonntag aus dem Ofen zaubert. Woher der Name „Schlangerl“ kommt ist den meisten aber selbst ein Rätsel. Sobald die saftig-süßen Äpfel im Teigmantel vor einem auf dem Teller liegen, zerbricht sich über den Namen aber bestimmt niemand mehr den Kopf. Oberösterreich besuchen ohne Apfelschlangerl gegessen zu haben ist schon fast eine Sünde. Und die gilt es zu vermeiden. Am besten beim Jindrak in Linz, dort können Sie sich dann selbst überzeugen wer die bessere Mehlspeis‘-Botschafterin wäre: Apfelschlangerl oder Linzer Torte?“
wieso weshalb ?
Warum dieser „Strudel“ in Oberösterreich „Apfelschlangerl“ heißt, das weiß offensichtlich niemand. Ich bin jetzt einfach mal kreativ und behaupte, dass der Name eventuell darauf zurück zu führen ist, dass Äpfel in Teig einge“schlagen“ werden, und so die Bezeichnung entstanden ist. Oder aber man bezog den Namen auf das Aussehen, wie man auf meinen Bildern eindeutig erkennen kann. Ich könnte fast noch Historikerin werden 😉



warum?
Ja, warum beschäftige ich mich gerade jetzt mit Äpfel und diesen Schlangen. Äpfel und Apfelkuchen verbinden wir doch alle irgendwie mit Herbst. Gut, das Wetter ist aktuell eigentlich wie im Herbst, und genau das ist Grund Nummer 1. Ich bin eine „Wetter-Esserin“. Ich kann im Winter keinen kalten Salat, und im Sommer keinen Schweinsbraten essen. Das geht irgendwie nicht. Nudeln gehen immer, aber es gibt so Speisen, die nur zu gewissen Jahreszeiten von mir zubereitet werden. Genauso ist es beim Backen. Ein Erdbeerkuchen im Regen bei 10°C – never, niemals – wird man bei mir nicht bekommen (ich erinnere mich „gerne“ an die Geburtstagsfeiern unserer älteren Söhne – Mitten im Sommer, Regen, 10°C – ja, das gabs auch vor 25 Jahren schon – das Wetter war jahrelang so programmiert, dass es genau am Tag der Feier kalt und regnerisch war – ich will nicht unfair sein, nicht immer, aber SEHR oft – und die Söhne wollten Erdbeerkuchen….) Sobald es also kühl und regnerisch ist, gibt’s neben herzerwärmenden Brioche-Varianten Kuchen mit Äpfeln, weil es die ja immer gibt.
Und Grund Nr. 2 ist, dass ich in heute zur Aufzeichnung einer Talk-Show im ORF eingeladen. Das Thema lautet :“Wie süß isst Österreich – von Germknödel bis Buchteln“, oder so ähnlich. Ich freu mich schon sehr darauf, denn „reden“ kann ich genauso gut wie backen. Für einen kleinen Einspieler wurde ich von der Redaktuerin letzte Woche in „Die KLeckerei“ beim Backen von „Apfelschlangerl“ gefilmt, da es vor allem um „typisch österreichische“ Mehlspeisen geht. Sind wir mal gespannt 😉
meine Oma
Meine Urgroßeltern hatten um 1930 eine große Mostkellerei mitten in Wels, Oberösterreich. Von überall her wurden Äpfel und Birnen gebracht, meine Mama hat auf Bergen von Mostobst gespielt.




Mein Opa hat später auch immer noch Most gepresst, aber eher im kleinen Format, und für uns Kinder gab es Süßmost, den noch ungegärten (alkoholfreien) „ersten“ Most.
Meine Oma war ein typisches Zwischenkriegskind und Flüchtling. Alles, was der Garten hergab, wurde verarbeitet, nichts wurde verschwendet oder verschmissen, und es wurden auch keine Kuchen mit jahreszeitenuntypischem Obst oder Beeren gebacken. Wenn ich jetzt so überlege, gefällt mir das irgendwie. Äpfel aber gab es immer. Der große Keller war da, dort wurden reichlich Äpfel gelagert. Es gab immer Apfelmarmelade, die sonst kaum jemand kennt, stichfest war sie mir am liebsten, und auch ich mache heute noch Apfelmarmelade. Und natürlich hat meine Oma auch vieles mit Äpfeln gebacken. Selten gab es einen echten ausgezogenen Apfelstrudel, zumindest kann ich mich nicht daran erinnern. Oma war praktisch veranlagt, es sollte schnell und einfach gehen, und so gab es oft diese „Apfelschlangerl“. Ehrlicherweise muss ich gestehen, dass ich nicht weiß, ob sie sie so genannt hatte 😉 Eher denke ich, sie nannte das „Apfelstrudel“, denn ich habe ganz lange noch – als meine Kinder klein war – geschnittene Äpfel in TK-Blätterteig genauso eingeschlagen und ihnen das als „Apfelstrudel“ verkauft. Naja, heute bin ich klüger. Optisch waren das also „Apfelschlangerl“, aber typischerweise werden die in Mürbteig eingeschlagen, der entweder mit Most oder mit Sauerrahm zubereitet wird. Klarerweise hat meine Oma den Teig mit Most zubereitet und dieses Rezept hab ich heute für euch.



Rezept
ZUTATEN:
für den Teig:
300g Weizenmehl glatt
200g Butter kalt
1 Dotter
Prise Salz
5 EL Most
Zitronenzeste
Vanillepaste
für die Fülle:
4 große säuerliche Äpfel
etwas brauner Zucker und Zimt nach Geschmack
Zitronensaft
Einstreiche:
1 Eiklar
2 EL Kristallzucker
Mehl in eine große Schüssel wiegen, Salz zugeben. Kalte Butter in kleinen Stückchen reinschneiden und mit dem Mehl verbröseln. Dotter und Most zugeben und per Hand rasch zu einem glatten Teig verarbeiten. (Mürbteig sollte nie länger als nötig verknetet werden!) In Folie wickeln und eine Stunde im Kühlschrank rasten lassen.
Äpfel (schälen, ) entkernen und in dünne Scheiben schneiden (hacheln, sagt man bei uns in OÖ). In einer Schüssel die Äpfel mit den Gewürzen vermengen und durchziehen lassen.

Backrohr auf 180°C O/U-Hitze vorheizen.
Den Teig aus dem Kühlschrank nehmen, in zwei Teile schneiden und je ein Rechteck von ca. 25 x 40 cm auf bemehlter Arbeitsfläche ausrollen.
In der Mitte der längeren Seite die Hälfte der gewürzten Äpfel verteilen, die Teigränder mit Eiklar bestreichen und den Teig darüber einschlagen. Die Ränder gut verschließen und auf das mit Backpapier ausgelegte Backblech legen. Mit dem zweiten Teigteil genauso verfahren.
Die Apfelschlangen mit etwas versprudeltem Eiklar bestreichen, und anschließend mit etwas Kristallzucker bestreuen.
Bei 180°C OU ca. 35 min goldbraun gebacken!



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