Pepper Cookies

#ichkochedeinensong

Manchmal, früher öfter als heute, aber manchmal gibt es auf Instagram wirklich mitreißende Challenges. Ich spreche hier von „Mitmachaktionen“ bei denen man freiwillig, und meist ohne Aussicht auf einen Gewinn, aufgefordert wird, zu einem bestimmten Thema einen Beitrag einzustellen, dh zu eben diesem Thema etwas zu backen, zu kochen oder sonst irgendwie kreativ zu sein. Für mich stärkt so etwas das Gemeinschaftsgefühl, und als Instagram noch „jünger“ war, gab es davon auch noch viel mehr und auch viele Lustige. Leider wurden diese immer weniger und auch die Bereitschaft mitzumachen sank.

Deswegen bin ich Katharina von „food.style.affairs“ auch so wahnsinnig dankbar, dass sie letztes Jahr ihre #ichkochedeinensong-Challenge geboren hat.

War ich letztes Jahr mehr unfreiwillig in die Challenge gestolpert, ganz nach „Wer lesen kann, ist klar im Vorteil“… hatte ich es so verstanden, dass man als Kommentar seinen eigenen Lieblingsong mitteilen sollte, und Katharina und ihre Foodie-Partnerin Nini würde diese dann abwechselnd für uns zubereiten. Tja, hättste doch …. es war nämlich ganz anders:…

„Jeder nennt in einem Kommentar seinen Lieblingssong. Nach Ablauf der Frist, wird jedem ein Song zugelost. Diesen darf man dann wie auch immer frei und kreativ an einem zugeteilten Datum interpretieren“

So war ich heuer – gut informiert und zu allem bereit – gerne wieder dabei 🙂 Das für mich wunderschönste an dieser Challenge ist nämlich: Es ging und geht niemals um kulinarischen Extremsport, Glanzbilder und Fotokunstwerke. Es geht immer nur um die eigene Kreativität. „einfach“ nur wundervoll. Und deswegen: Ja, ich will dabei sein.

Was für ein „Lovely Day“ mit Bill Withers

Der mir zugeloster Song war „Lovely Day“ von Bill Withers. Den Song kannte ich natürlich, und – was für eine Freude – auch noch viele mehr von ihm. Mein absoluter Liebling aus seinem Repertoire ist: „Just the two of us“, neben „Ain’t no sunshine“ und vielen mehr. Aber Bill Withers? Who the fuck ist Bill Withers? Tatsächlich hatte ich noch nie von ihm gehört. Und so begann ich zu recherchieren, denn es wäre mir „einfach zu einfach“ gewesen, „irgendetwas“ zu backen, weil jeder Tag, an dem ich backe, für mich ein Lovely Day ist.

Gelebt hat der 1938 geborene Afroamerikaner Bill mit fünf Geschwistern in ärmlichen Verhältnissen in einem Kohlebergwerksgebiet in West Virginia. Schon bald musste er zur finanziellen Unterstützung der Familie arbeiten, und als er mitbekam, wieviel mehr Geld einige Musiker verdienten, brachte er sich selbst Gitarre und Klavier bei. Er liebte und lebte die Musik. Und tatsächlich hat er in rund 20 Jahren acht Alben veröffentlicht und staubte einige Preise ab. Er selbst sagte: "Ich habe Musik nie gelernt, sondern einfach gemacht" Als unglaublicher Songschreiber und Geschichtenerzähler wird er immer in Erinnerung bleiben.
1985 hat er sich mit folgenden Worten bewusst aus der Musikszene zurückgezogen: "Ich bin aufgewachsen im Zeitalter von Barbra Streisand, Aretha Franklin und Nancy Wilson. Das war eine Zeit, als eine fette, hässliche Tussi, die singen konnte, noch wertgeschätzt wurde. Jetzt geht alles um Image. Das hat keine Poesie. Es ist einfach nicht mehr meine Zeit."

Mich hat vor allem dieser Satz total beeindruckt. Eine bewusste Entscheidung gegen eine vielleicht gute weitere Einnahmequelle, das sieht man selten. Doch was sollte ich backen oder gar kochen?

Bei meiner Recherche stieß ich auch das Cover seiner „Greatest Hits“

Was es genau war, das mich daran anzog, kann ich nicht sagen, aber es war dieses heute absolut verpönte Repertoire an „Verbotenem“: Alkohol, Zigaretten, Kaffee, alles auf einem Bild – die volle Dröhnung der 80er Jahre, als alles irgendwie noch erlaubt und toll war, was heute niemand mehr zugeben würde. All das auf einem Plattencover vereint, wirkte auf mich so „FREI“, frei von Gesellschaftsdruck, Image und Erwartungen, und ich liebte es ab dem ersten Moment. Und dann – Gott sei Dank – entdeckte ich auf dem Cover mittig neben der Kaffeetasse diesen angebissenen braunen Cookie, und es war klar:

Ich werde das Cover covern

Da ich eine Sammlerin der ersten Güte bin, hab ich ein, zwei Koffer mit all meinen Tagebüchern und Erinnerungen aus meiner Jugendzeit. MrRight hatte schon öfter darauf plädiert, diese zu entsorgen, aber „nur über meine Leiche“ – ich liebe meine Erinnerungen, und diese Challenge zeigt wieder, wie wertvoll sie sind. Ich wusste, dass sich darin eine kleine Kiste mit einer bunten „Zigaretten“-Sammlung befand, und eine war pink mit goldenem Filter 😉 Von meiner Oma hatte ich eine kleine Sammlung Kaffeegeschirr mit Goldrand, und alles andere würde sich finden. Doch zuerst musste der passende Cookie, das passende Rezept gefunden werden.

Für mich war er mal eindeutig sehr schokoladig, und gefühlt hatte er auch Kakaopulver rundherum. Also begann ich zu googeln. Es war nicht ganz so einfach, denn es sollte kein 0815-Cookie werden. Und dann, mehr durch Zufall, stieß ich auf ein südafrikanisches Rezept für „Pepper Cookies“, was für mich absolut stimmig und gleichzeitig durch den Esslöffel grob gemahlenen Peffer auch richtig interessant war.

„mein“ Cover

Rezept „Pepper Cookies“

ZUTATEN für 25 Stück:
115g Kochschokolade
110g dunkle Kuvertüre Callets
85g weiche Butter
115g brauner Zucker
2 Eier zimmerwarm
340g Weizenmehl
1/2 TL Natron
1 EL frisch und grob gemahlener Pfeffer
3 EL Backkakao
ZUBEREITUNG:
Kochschokolade schmelzen
Die Butter über Wasserbad schaumig schlagen, den braunen Zucker zugeben und solange schlage bis sich die Zuckerkristalle augelöst haben.
Nach und nach die Eier dazuschlagen.
Vom Wasserbad nehmen und das mit Natron vermischte Mehl darüber sieben und gemeinsam mit der geschmolzenen Schokolade unterkneten.
Die Schoko-Callets und den Pfeffer mit einem Spatel einmengen.
25 Kügelchen à 30g formen (ich hatte sie mit 40g geformt, und empfand sie als zu groß), in Backkakao wälzen und für 15 min in den Tiefkühler stellen.
In der Zwischenzeit das Backrohr auf 180°C Heißluft vorheizen.
Ca. 15 min backen, bis sie außen schön knusprig und innen noch schön weich sind.

Tatsächlich ist das Essgefühl irre. Noch warm rinnt einem die Schokolade entgegen, während der Pfeffer ein leichtes Kribbeln auf der Zunge erzeugt. Himmlisch und verboten zugleich, ein Gefühl der 80er 😉

das Setting

Nachdem die Cookies gebacken und gebongt waren, wollte ich das Cover so gut es ging 1:1 nachstellen. Ich hatte die Kaffeetasse mit Goldrand, die rosa Zigarette, ein altes Feuerzeug von MrRight, ein Cocktailglas mit Stiel (wohlgemerkt nur eines ;), welches mit Apfelsaft die richtige Farbe brachte, eine Whiskeyflasche von MrRight und ein halbwegs ähnliches Glas dazu, und IRGENDWO musste doch noch ein, dem Cover ähnlicher, Aschenbecher herumliegen. Aber so sehr ich auch suchte, ich fand ihn nicht. Kaufen wollte ich aber auch keinen. Tja, und wisst ihr was? MrRight hat mir dann anhand des Covers einen Aschenbecher mit seinem 3D-Drucker gedruckt 🙂 Ist das nicht irre?

Wolle Rose kaufen?

Zum Schluss fehlt nur noch die Rose. Leider konnte ich MrRight nicht davon überzeugen, mir eine Rose zu kaufen 😉 Als ich diese dann mit 3€ bezahlt hatte, fühlte er sich noch mehr bestätigt 😉 Umgerechnet fast 50 öS für eine einzige Rose? Undenkbar in den 80ern, und ich weiß, dass man nicht mehr umrechnen soll, aber ich tu es immer wieder mal. Dreiundzwanzig langstielige rote Rosen habe ich von MrRight 1993 mal bekommen, und wir haben dann – mit der einen Rose in meiner Hand – in Erinnerungen geschwelt und überlegt, wieviel die damals wohl gekostet haben.

Die Rose ist nun vier Tage alt und immer noch schön 🙂 Vielleicht doch ganz gut investierte drei Euro 😉

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