Eine Reise ins Unerwartete
Ja, wo bin ich und wo war ich die ganze Zeit?
So viele Beiträge bin ich euch schuldig und so viele Rezepte blieben ungeschrieben. Das tut mir leid, denn in meinem Kopf hatte ich tatsächlich viele geschrieben. Diese schafften es jedoch nie aus meinem Kopf zu meinen Fingern auf meine Tastatur. Denn kaum saß ich vor meinem Laptop, hielten mich emails, Anfragen, mein Shop, meine Kurse, oder all das andere, das sich in meinem Kopf um meine Aufmerksamkeit rankte, davon ab. Natürlich hätte ich mir mehr Zeit dafür nehmen können, anderes liegen lassen, die Prioritäten besser setzen können. Andere wissen ja immer, wie man das Leben des Gegenüber besser und leichter gestalten könnte. Aber ja, es waren die Prioritäten, die sind Schuld... und die Zeit, die einem pro Tag zur Verfügung steht.

Und ich entschuldige mich an dieser Stelle auch für meinen tatsächlich sehr hohen Schlafbedarf, der mit 8-10 Stunden überdurchschnittlich hoch ist, wenn man dies mit der Durchschnittsschlafmenge eine Durchschnittsfrau global gesehen betrachtet. 7,5 Stunden schlafen im Durchschnitt nur die Frauen in Finnland, den Niederlanden und in Neuseeland/Australien. Aber mir ist meine Schlafgesundheit sehr wichtig, so könnte ich das jetzt wissenschaftlich bezeichnen, und mich für mein Bewusstsein ob dessen rühmen. Tatsächlich aber stellt sich das Ganze so dar: sobald ich wach werde – auch nachts – streiten sich all meine hundert Gedanken darum, wer der Wichtigste ist, und das hört auch tagsüber nie auf. So fühle ich mich wie eine Kindergärtnerin meiner streitenden Gedanken, wohl überlegend, welchem ich in dieser Sekunde mein Gehör schenke. Tja, und das Ganze ist ein Fass ohne Boden. Neue Ideen, neue Gedanken, neue To-Do’s reißen einfach nie ab. Da hilft nur Schlaf – tiefer Schlaf, wenn er denn – Wechseljahre sein Dank – überhaupt möglich ist.

….Oder ein ganz großes Projekt , wo die Prioritäten ganz eindeutig sind, oder ein langer und anstrengender Urlaub, der keine Zeit für andere Überlegungen lässt, oder ein bis zwei lästige Krankheitswellen mit hohem Fieber, die keine Kraft für ebensolche lässt. (davon hatte ich seit Oktober zwei, und hänge immer noch bei der Diagnosefindung einer kleinen lästigen Gesundheitsbeeinträchtigung seither)
Und das alles kam mit all meinen aufmerksamkeitsheischenden Gedanken in einen Topf. Jetzt könnt ihr, denke ich, etwas besser nachvollziehen, warum es soooo ruhig hier war.
(m)ein großes Projekt

Ich werde Autorin. Ich darf ein Buch schreiben. Es gibt so viele Eigenschaftswörter, die ich damit verbinde:
unfuckingsfassbar – ist das immer noch für mich. Why me? Und sehe mich fragend um, so als wäre ich auf einem Konzert von meinem Idol bist und dieses zeigt genau auf mich …
unglaublich - denn dieser große, bekannte deutsche Verlag hat MICH angeschrieben, nicht umgekehrt. Hat mich ausgewählt, um mit mir als Autorin ein Buch herauszubringen. Diese Anfrage kam wohlgemerkt zu einem Zeitpunkt, der besser nicht hätte sein können. Ein Zeitpunkt als ich - wieder mal (ich mach das regelmäßig wie andere zum Friseur gehen) mein Dasein in dieser Social-Media-Back-Workshop-Food-Blogger-Szenerie in Frage gestellt hab. Naja, ich bin ehrlich, ich wollte wieder mal aufhören mit all dem.
Vielleicht entwickle ich mich einfach zu schnell oder zu anders als andere, aber Content, wie er mich vor drei, vier Jahren noch begeistert hat, schläfert ich mittlerweile ein. Ich bin auf einer Reise und halte nichts von Stillstand. Ich will mehr, ich will Entwicklung, ich will....so vieles... vielleicht zu vieles, denk ich manchmal...
unbegreiflich... denn der Wunsch mal ein eigenes Buch herauszubringen, etwas "in Stein Gemeißeltes" zu hinterlassen, köchelt im mir seit ich 10 Jahre alt war.
Denn sind wir mal ehrlich: wenn der große Blackout kommt und wir wieder in stromlosen Höhlen wohnen und unser Essen am Feuer kochen, kann niemand mehr lesen, was ich hier getippt hab. Aber die Bücher, die wirklich Guten, also die Bibel und mein Buch, werden bewahrt werden - in diesen großen Bibliotheken, die von Männern (und dann hoffentlich auch Frauen) mit langen weißen Bärten (die die Frauen dann hoffentlich nicht haben) gut aufbewahrt werden - für die Nachwelt...
lehrreich...davon zu träumen, irgendwann mal ein Buch zu schreiben ist schon so eine Sache, die Mut und Tatenkraft erfordert; es zu tun und zu veröffentlichen eine oft langwierige und nicht ganz so einfache Sache, aber einen Vertrag für ein noch nicht mal geschriebenes Buch zu unterschreiben, eine unvorstellbar schwierigere Sache, was einem erst so richtig klar wird, wenn die Zeit zu laufen beginnt, wenn die vertraglichen Angelegenheiten geregelt, das Rundherum abgeklärt ist, und der erste grobe Zeitplan eintrudelt.
Ich lerne, was ein Seitenlaufplan ist, bekomme eine Lektorin an die Seite, mit der ich anfangs so meine Probleme hab. Wer mag es schon, wenn jemand an deinem Schreibstil "herummäkelt" und dich korrigiert? Alles nicht so einfach.... sowieso alles nicht so einfach, wie Gretchen sich das gedacht hatte.
einschüchternd…. was alles so dran hängt, und wer da alles so dran und drin hängt. Worte, die geschrieben werden wollen, offenbaren etwas von mir. Kann ich damit umgehen? Erwartungen, die in mich gesetzt werden. Kann ich sie erfüllen? Selbstzweifel, ob ich diese Erwartungen erfüllen kann. Ein echter Künstler, hab ich mal gehört, ist ständig von Selbstzweifeln geplagt, das beruhigt mich immer ein bisschen 😉
Geduld
Aber ich schreibe und wachse daran. Lerne mich in Geduld und Konzentration, denn ich muss und werde jede Zeile, jedes Wort, jede Seite bis zum Erscheinen des Buches so oft lesen dürfen/müssen, dass ich – sollte es jemals dazu kommen – mein Buch bei einer Lesereise auswendig rezitieren können.

Und dass dieses wundervolle Projekt, das ich mir etwas romantischer vorgestellt hatte …“sie sitzt mir ihrer Schreibmaschine auf der Terrasse irgendwo am Meer – heiß soll es natürlich aber nicht sein – Schreibmaschine, weil besser kein Internet, da ich sonst zu abgelenkt bin – eine Finca natürlich, fernab von den Massen, irgendwo oben. Eine Bedienstete – am besten taubstumm, sonst quatsche ich mit der die ganze Zeit – hält alles sauber, sorgt für meine gute Stimmung, kocht täglich frisch, viel Gemüse und lässt meine Obstschüssel nie leer werden. Natürlich nehme ich in dieser Zeit nicht zu und habe keine Magenschmerzen, obwohl ich viel Kaffee und Rotwein trinke, der mir eigentlich gar nicht schmeckt, aber das hört sich einfach gut an…. die Seiten rinnen nur so dahin und nach vier Wochen auf meiner gemieteten Finca, die ich mir nach Erscheinen des Buches natürlich kaufen kann, ist mein Buch fertig. Ich erblühe am Erfolg und das mediterrane Klima tut Haut und Haaren gut…“ also dieses Projekt ist weit weniger romantisch, sondern harte Arbeit, mit Abgabeterminen und vielen Entscheidungen, und noch mehr Nachdenken und ganz viel Noch-mal-Tippen.

Und dann die große Reise
Wir sind ja tatsächlich schon viel gereist, und mich interessiert fast jede Ecke, Kultur, Lebensweise und Natur. Aber mit Thailand hatte ich immer „Sextourismus“ und „Tsunami“ verbunden. Deswegen stand dieses Land nie auf meiner Wunschliste. Ich hatte es schlichtweg einfach nicht am Schirm.
Meine „To-do-before-die“ Liste beinhaltet aber, dass ich in jede Himmelsrichtung – von uns aus gesehen, und außerdem möglichst an den äußersten Bereich – gereist sein will. Wir hatten schon Norwegen, San Francisco und Südafrika, was für meine Anforderungen Norden, Süden und Westen abdeckt. Es fehlte also noch der Osten. Russland würde uns tatsächlich sehr reizen, ist aktuell aber nicht zu empfehlen. Japan – steht ganz oben auf unserer Wunschliste – liegt aber leider grad nicht in unserem Budget.

Und dann waren vor knapp zwei Jahren Ende April unser Ältester samt nun-Ehefrau in Thailand und schwärmten „so schön, so günstig, so toll, das Essen schmeckt hervorragend“, aber vor allem deren Erzählungen von frischem Obst in Hülle und Fülle, Auswahl und erschwinglich, hat uns schlussendlich überzeugt.
Ohne große Erwartungen, außer „frisches Obst in Hülle und Fülle“ und etwas mehr Nervosität als sonst (es war schließlich das erste Land, in dem wir weder etwas verstehen konnten, aber in dem wir vor allem nichts LESEN werden können) hatte ich den Dezember 2025 für unsere Reise auserkoren. So entging ich der Vor-Weihnachtszeit, dem Keksebacken und der Frustration über fehlenden Schnee.
selten kommt es anders, und meistens als du denkst 😉
Was ist denn nun so toll an Thailand?

Aber was war es nun, abgesehen von einer traumhaften Landschaft, das mich nach knapp drei Wochen abwechslungsreichen Aufenthalts im Taxi zum Flughafen retour nach Österreich bitterlich weinen ließ, weil ich dieses Land nicht verlassen wollte?
Es war nicht das Obst. Denn naiv wie wir waren, dachten wir, dass diese Früchte dort das ganze Jahr lang wachsen. (es hat uns aber auch niemand, wirklich niemand, jemals darauf aufmerksam gemacht). Leider aber hat Thailand ganz normale Jahreszeiten (richtig warm und sauheiß, trocken, schwül, mit oder ohne Regen), die saisonales Pflanzenwachstum bei Saisonfrüchten erzeugen. Blütezeit ist meist im Winter und Früchte geerntet werden dann, wenn es so richtig heiß ist, kurz vor der Regenzeit, also Mitte April bis Ende Mai. Manche Früchte brauchen auch extrem lange bis sie geerntet werden können. Wir waren also, was reichhaltiges, unterschiedliches und frische geerntetes Obst betraf, absolut zum falschen Zeitpunkt in Thailand.



Ich mag es gar nicht, ein Land darauf zu reduzieren, dass "dort alles so billig ist", was einerseits - so wie ich mitbekommen habe - gar nicht mehr ganz so ist, wie vor 10-15 Jahren, andererseits abwertend klingt.
Aber, ich muss zugeben, dass er sehr angenehm ist, wenn man nicht ständig darüber nachdenken muss, ob man sich etwas gönnen möchte, essen gehen zu können, ohne einen Kredit zu benötigen und auch Cocktails trinken zu können, ohne das ganze Urlaubsbudget am ersten Tag schon über den Haufen werfen zu müssen.
Und obendrein schmeckt dann auch noch alles intensiv, nach Lebenserfahrung und weitergegebenen Rezepten, wenn man in den Garküchen isst. Alles ist liebevoll angerichtet, auch wenn du am Strand in einer Bar sitzt. Kleinigkeiten, die Herz und Gaumen erfreuen. Und es freut sich jemand, dass du dieses Lokal, diesen Ort ausgewählt hast.



Das ist es, was mich so berührt hat, was mit mir so vieles gemacht hat, was mich weinen ließ, als ich es verlassen musste. Diese thailändische Art miteinander umzugehen. Diese Freundlichkeit, deren Respekt und auch Demut, die man aber alles in allem niemals missdeuten sollte. Denn es bedeutet nicht, dass sich die Thais alles gefallen lassen, sich nicht trauen würden, dich auf etwas hinzuweisen, oh nein, das tun sie sehr wohl. Aber alles höflich und mit Respekt. Anfangs ist es etwas verstörend, wenn sie einerseits so wahnsinnig höflich sind, aber andererseits auch ganz klar ihre Grenzen setzen. Aber es ist absolut der richtige Weg, hab ich für mich festgestellt.
Durch die leicht geneigte Haltung mit aneinander liegenden Handflächen bei jedem Gruß und jedem "Danke", was du beides sehr schnell lernst, übernimmst du als Tourist diese demütige Umgangsform, und wie von alleine ist das Miteinander
respektvoll, höflich und freundlich.
Die Thais lachen sehr gerne und das ist sehr sehr ansteckend, auch wenn wir oft nicht verstanden haben, worum es geht.
Ich habe es geliebt, wie wir uns dadurch verändert haben, wie wir wieder gelernt haben, wie schön das Leben sein kann, ohne Gram, ohne Missgunst, ohne Neid und schlechte Laune die uns hier zu Hause fast täglich irgendwo begegnet.
Die Thais wissen noch, was es wirklich heißt, andere glücklich zu machen und dabei selber glücklich zu werden.

Und natürlich weiß ich, dass ich eine etwas verklärte Sicht auf die Dinge hatte und habe, und natürlich waren wir IN URLAUB. Aber wenn gegenseitiger Respekt, mehr Demut und Höflichkeit, mehr Lachen und Fröhlichkeit als Urlaubsmitbringsel mit nach Hause kommen, muss man sich bestimmt nicht schämen.
Tja, meine Lieben… und das alles, und noch viel mehr, hat mich sehr beschäftigt, und tut es immer noch. Aber heute wollte ich euch davon berichten….endlich






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