ja, ich weiß, ich hab meine treue Leserschaft lange auf einen neuen Blogbeitrag warten lassen, aber „warten“ gehört momentan zu meinem alltäglichen Begleiter. Aber was hat es jetzt mit „Anfang und Ende“ auf sich?
War „warten“ früher etwas, das man schlichtweg gewöhnt war, so fällt uns das heutzutage zunehmend schwerer. Ich kann eigentlich gut warten. Warten hat auch meist etwas Schönes, es ist mit Vorfreude eng verknüpft und das ist ja bekanntlich die schönste Freude. Ohne Warten wird jede Freude kleiner und irgendwie stellen wir dann plötzlich fest, dass wir uns über gar nichts mehr so richtig freuen können. Sollten wir lieber wieder mehr „warten“?

Aber es gibt leider auch ein nicht so schönes „Warten“. Wenn man etwas beendet, oder gar neu beginnt, dann ist das auch immer von „Warten“ begleitet. Man wartet, dass ein unglückliches Mietverhältnis endlich zu Ende geht, der Partner oder die Kinder „endlich“ ausziehen, die Schlechtwetterperiode vorüber zieht.
Wenn du dir Hühner zugelegt hast, wartest du darauf, dass sie die ersten Eier legen, du wartest, dass der Urlaub endlich beginnt; es endlich Morgen wird, wenn du nicht schlafen kannst, dein Antrag endlich bearbeitet wird oder du deine Prüfungsnoten erhältst. Wir warten alle.
warteschleife
Aber was für mich gar nicht geht, sind Warteschleifen, und davon hatte ich in den letzten Wochen wirklich genug. Ein Wasserschaden, ein nicht funktionierendes Internet, ein Möbelstück, das falsch gebohrt geliefert wurde… Du rufst bei der Hotline an, und dann heißt es erst mal „gut aufgepasst“. Denn drückst du nur eine falsche Ziffer, bedankt sich die nette KI-Stimme für deinen Anruf, und alles beginnt von vorne. Drücke die „1“ , wenn du damit einverstanden bist, dass das Gespräch aufgezeichnet wird, die „1“, wenn dies für Übungszwecke verwendet werden darf, und dann die richtige Ziffer für dein „Problem“. Da wird es dann oft schon schwierig. Und wenn du diese Hürden gemeistert hast, dann heißt es erst mal „Warteschleife“. „Ihre geschätzte Wartezeit beträgt….. 20 Minuten“ Bist du ungeduldig, dann kannst du gerne in einer Stunde noch mal dein Glück probieren. Bei meinem „Internetanbieter“ ist man da direkt seiner Zeit voraus, denn da heißt es relativ schnell „damit Sie nicht warten müssen, haben wir für Sie einen Rückruf gebucht“ Das Problem an diesem Rückruf ist nur, dass der eventuell zum ungünstigsten Zeitpunkt erfolgt – keine Ahnung wann – und wenn du da nicht abhebst, dann war’s das. Alles beginnt von vorne. Oder du hebst ab, obwohl du gerade mitten im Hühnerstall stehst, dir deine Unterlagen fehlen, und du auswendig deine Kundennummer nicht weißt. Problem gelöst? nope.
Mein Internetanbieter hatte im Jänner bestimmt schon einen Vermerk bei meiner Kundennummer, denn ich kann Warten, UND ich habe einen sehr langen Atem, wenn ich mich schlecht behandelt fühle (wenn man mir zb ein Produkt verkauft, das einfach nicht funktioniert, mir dann dafür etwas verrechnen will, aber niemand weiß, wie man das Problem beseitigen könnte.) Oh, ich habe viel Geduld, und ich kann ganz lange emails schreiben. Und ja, auch die müssen irgendwann beantwortet werden. Wenn nicht, kommt noch eine, oder ruf ich wieder an. Der Rückruf ist gebucht 😉

Lassen wir uns nicht auf’s Abgleis oder gar ins Abseits schieben, wenn es immerhin noch die Warteschleife gibt. Auch Geduld muss wieder gelernt werden, denn wer aufgibt, hat schon verloren in dieser digitalen Welt, wo die Chance auf ein Gespräch mit einem „echten“ Menschen schon sehr gering ist.
anfang und ende
Alles muss irgendwann mal beginnen. Ein Jahr beginnt immer mit dem Jänner, ein Kind wird geboren, ein Mietvertrag wird abgeschlossen, ein Kurs begonnen, eine Selbständigkeit gestartet. Und oft wird dann „gewartet“. Natürlich nicht ohne nichts zu tun. Aber wir fragen uns manchmal: Wann ist endlich Sommer, wann braucht das Kind keine Windeln mehr, wann läuft das Geschäft, wann fühl ich mich wohl? Und die letzten beiden Fragen haben mich im letzten Jahr schwer beschäftigt.
Voller Vorfreude hab ich mich in mein Projekt „die KLeckerei“ – mein eigenes Backstudio -gestürzt, um dann schon im ersten Monat zu warten,…. dass die Heizung endlich richtig funktioniert, dass die Vermieter wieder so werden, wie wir sie eigentlich kennen gelernt hatten, dass wir eine Lösung für die fehlende Beleuchtung finden, dass ich mich nicht mehr kontrolliert fühle, dass ich mich wohl fühle.

…um dann im Sommer festzustellen, dass dieses Gefühl nicht wieder kommen wird. Zu viel war vorgefallen, zu sehr war ich bemüht gewesen, es meinen Vermietern recht zu machen, und ich wollte nicht mehr ewig auf Besserung warten. In meinem früheren Beruf hab ich 20 Jahre lang darauf gewartet, dass endlich wertgeschätzt wird, was ich leiste, und habe gelitten. Das wollte ich auf keinen Fall mehr. Also hab ich an dem Punkt entschieden, den Mietvertrag mit Ende des Jahres wieder zu kündigen… und viele Tränen vergossen. Aber es war die richtige Entscheidung, denn als ich nach der Sommerpause meine Tätigkeit wieder aufnehmen wollte, kamen vom Vermieter erst mal ein paar Drohungen und nur mit Hilfe eines Anwalts konnte ich dann auch noch dieses Dilemma überstehen. ende

Neubeginn
Begeistert war MrRight natürlich nicht, dass wir alles, was wir mühselig in das Backstudio geschleppt hatten, nun wieder nach Hause musste. Aber seine Worte waren „Es gibt für alles eine Lösung“, als er auch der Meinung war, dass ich kündigen sollte.
Und so ließen wir bis zum endgültigen Auszug Zeit ins Land streichen. Ich sah mir einige anderen Räumlichkeiten an, um immer wieder festzustellen, dass ich dem damit verbundenem finanziellen Druck nicht gewachsen bin, weil man von Backkursen nicht reich wird. Und wenn wir etwas aus unserem Leben gelernt haben, dann, dass man nichts überstürzen soll. „Warten“ ist oft die beste Lösung.
Und so zerbrach ich mir immer wieder mal mein mittlerweile altes Köpfchen „Wohin mit all den Dingen?“ Und WO sollte ich in Zukunft backen? „Wovon will ich leben?“ „Wo gebe ich meine Kurse?“ Und aus diesen Gedanken, der Geduld und dem Warten auf die „beste Lösung“ entstand aus dem letzten Kinderzimmer, das noch ein Gästezimmer/Rumpelkammer war, eine kleine Content-Küche.



Und dann ergaben sich plötzlich „aus dem Nichts“ und „aus dem Warten heraus“ eine Kurslocation, wo ich meine eigene Kurse abhalten kann, und eine neue Geschäftsbeziehung, wo man mich dafür bezahlt, dass ich Kurse abhalte.


Das klingt jetzt alles so, als wäre das eine Autobahn gewesen, und ich der atmende Yogi, der auf die Erleuchtung wartet, während er im herabschauenden Hund, den Stress wegatmet. Alles, nur nicht das. Es war die Hölle. Es war anstrengend, angsteinflößend, kräfteraubend und von Tränen und bitterer Enttäuschung begleitet.
Innerhalb einer Woche standen Ende des Jahres überall im Haus (sogar im Schlafzimmer) haufenweise Kisten, Schachteln und Elektrogeräte herum.









Aber es war richtig. Das weiß ich heute. Deswegen hat dieser Blogbeitrag auch seine Zeit gebraucht.
Am Ende wird alles gut. Und ist es noch nicht gut, dann ist es noch nicht das Ende.
PS: Unser Wasserschaden (entdeckt am 4.Jänner dJ) ist noch lange nicht behoben 😉 .. es heißt „warten und geduldig sein“.


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