Wenn der eigene Bruder heiratet

Ja, wenn der eigene Bruder heiratet, dann macht die Schwester natürlich die Hochzeitstorte, das war mit der Verlautbarung der Hochzeit und der Einladung gleich inklusive. Naja, irgendwie auch praktisch, wenn man nicht über das Hochzeitsgeschenk nachdenken muss.
Aber, dass es nun nichts zum Nachdenken gegeben hätte, hieß das auf keinen Fall, denn beide essen eigentlich nicht gerne Kuchen, und sind alles anders als „bling-bling“ und romantisch. Eine Trachtenhochzeit in rustikalem Stil war geplant, was eventuell auch ihrem Alter geschuldet ist. Immerhin ist mein Bruder ja sogar älter als ich ;). Und ja, es war für beide die erste Hochzeit.


3-stöckig sollte die Torte werden und für ca. 70 Gäste reichen. Meine erste Hochzeitstorte vor zwei Jahren war für eine ähnlich Gästeanzahl, dh ich hatte „Erfahrung“. Bei der Gestaltung waren mir alle Freiheiten zugesichert, es sollte halt „für jeden“ was dabei sein. Für mich war also im ersten Moment die Optik entscheidend, vor allem das Topping der Torte, denn ich konnte den beiden Unromantikern schließlich kein goldenes „Mr&Mrs“ aufstecken, geschweige denn ein nettes Hochzeitspärchen. Nein, es sollte etwas in „Lederhose“ werden. Und so hatte ich mein Talent im Basteln mit Fondant entdeckt.

Hochzeitstorten im Sommer sind immer ein kleines Problem, denn Hitze kann einer Torte ganz schön zusetzen. Der Wettergott war allerdings auf meiner Seite, denn war es im Juni bereits brütend heiß, kam mit Anfang Juli ein krasser Wetterumschwung. Eine Woche vor der Hochzeit hatten wir plötzlich Dauerregen und 14°C. Für die Arbeitsschritte ganz gut, für die Hochzeit weniger. Aber offensichtlich gab es ein paar Engeln da oben, denn am Hochzeitstag hatte es ausnahmeweise wirklich nicht geregnet und mit 26°C war es angenehm warm.

Dennoch darf man bei Hochzeitstorten die Stabilität nie außer Acht lassen. Jedes Stockwerk hat mindestens 15cm in der Höhe, und mit Füllungen und Böden kommt da eine ganze Menge an Gewicht zusammen. Hatte ich doch außerdem noch die „blöde Idee“ geboren, eine Dose Bier (für die beiden Bier-Feinschmecker) in der Torte zu verstecken. Diese Ideen kommen mir übrigens immer relativ spontan und kurzfristig – heißt, am Montag vor der Hochzeit.
Lange hab ich mit MrRight über Gewicht und Stabilität diskutiert, aber die Idee ließ mich nicht mehr los. Außerdem musste natürlich auch für "Sicherheit" gesorgt werden. Weder wollte ich, dass das Alu den Kuchen berührt, noch dass die Dose - warum auch immer - plötzlich aufplatzt. Viele Möglichkeiten wurden diskutiert, bis ich plötzlich eine runde, geschlossene Brotbackform unter meinen Backformen entdeckte. Es gibt offensichtlich doch keine Fehlkäufe, denn lange hatte ich mich geärgert, dass ich das Teil mal gekauft hab. Aber nun kam es zum Einsatz - anders als vom Hersteller gedacht, aber immerhin.
Mit Behälter und Dose kam dieses Inlet auf stolze 800 Gramm. Und mit einer Höhe von 22 cm war auch klar, dass es in die mittlere Torte ragen würde, was meine Gehirnzellen stark in Anspruch nahm, baut man normalerweise nämlich (also ich mach das so, weil ich keine professionelle Tortenanlieferin bin ;)) vor Ort auf. Dh man transportiert die Torten einzeln und stapelt sie erst auf der Hochzeitslocation. Das ging diesmal also nicht. Die untere und die mittlere Torte mussten direkt aufeinander gestapelt und stabilisert werden. In welche Reihenfolge streiche ich ein? Wie lange muss die Untere kühlen, bis ich mit der Mittleren weitermachen kann? Bring ich diese Höhe überhaupt in den Kühlschrank?
Das waren so meine Gedanken in den letzten Nächten der Hochzeit.

Aber schlussendlich hatte ich alles gut durchdacht, es hat alles gut funktioniert und auch der Transport ist geglückt. Ich weiß jedoch, dass ich so eine Idee nur mehr bei kalten Jahreszeiten umsetzen würde, wenn es denn noch einmal so sein sollte 😉
Die untere Torte war ein Sacherboden mit meiner Variante einer Schwarzwälder-Kirsch-Torte, weil ich wusste, dass das die Einzige war, die das Brautpaar ab und zu aß. Die mittlere Torte war mit Maracuja-Einlage und Creme, und Mangocurd-Creme super fruchtig und frisch. Die obere Torte war mit Pistazienbiskuit, Pistazienganache, karamellisierten Pistazienkernen und Himbeermousse herrlich „besonders“.





Eingestrichen mit russischen Buttercreme sollten die untere und die obere Torte ein „Baumstamm-Desgin“ aus Fondant bekommen. Ich liebe es mittlerweile mit Fondant zu arbeiten. Die mittlere Torte hatte ich im Streifendesign mit Buttercreme gestaltet. Davor hatte ich mir noch haufenweise TikTok-Videos angesehen, wie man das macht, und da es an dem Tag vor der Hochzeit dann doch schon wieder sehr warm war, war das echt ein Unterfangen. Was habe ich daraus gelernt: die nächste Hochzeitstorte – und die kommt ja bereits Mitte August – wird komplett mit Fondant eingedeckt, da das noch am hitzeunempfindlicheren ist 😉

Zum Stabiliseren hab ich Buchenholzstäbe abgesäbelt. Ja, die sollten GENAU die Höhe der jeweiligen Etage haben, sonst wackelt die nächste Etagentorte. Und genau das ist mir bei der oberen Torte dann passiert. Vor Ort wollte ich die obere Torte aufsetzen, und es hat tatsächlich um ein paar Millimeter nicht gestimmt. Da war wohl „jemand“ schlampig beim Messen ;). Ich hab dann versucht, das Dilemma mit Buttercreme auszugleichen. Perfekt war das nicht, aber es kommt auf die Liste „Do not!“ für die nächste Hochzeit. Und lieber zu niedrig, als zu hoch, das weiß ich jetzt auch!
Wie baut man eine Hochzeitstorte stabil auf?
Zuerst kommt unten mal ein Cakeboard. Ehrlich gesagt musste ich mich vor zwei Jahren erst mal mit den Begrifflichkeiten vertraut machen. Cakeboard, Cakecard, Kuchenplatte und wofür das Ganze?
Ein Cakeboard ist in der Regel mind. 1cm dick und dient als „die Unterlage“ auch für den Transport. Soll die Torte dann darauf bleiben, muss diese mit Fondant überzogen werden, was ich diesmal gemacht hab. Oder sie dient nur zum Tranport, dann muss man allerding bedenken, dass man die Torte dann wieder da runterheben muss 😉
Unter jede Tortenetage kommt eine Cakecard. Diese ist ca. 2mm dick, im Durchmesser immer kleiner als die Torte selber und von außen somit unsichtbar. Darunter sitzen dann die richtig abgeschnittenen Stabiliserungstäbe, dh die Torte sitzt dann mit ihrer Cakecard auf den Stäben, und das Gewicht der jeweiligen Etage drückt nicht auf die unteren Etagen. Macht Sinn, oder? Manche verwenden zum Stabilisieren Plastikstrohhalme, ich setze auf Holz, das hält auf jeden Fall und ist gerade in Verbindung mit Lebensmittel absolut unbedenklich. Man denke nur an das klassische Schneidebrett.



Zur Gesamtstabilisierung – wenn die fertige Torte dann vor Ort noch einen kleinen Weg vom Kühlraum/schrank zum Präsentationstisch auf sich nehmen muss – wird gerne noch ein dickere Stab mittig durch die Torte geführt. Viele machen diese Löcher im Vorfeld, aber das find ich persönlich sehr umständlich. Und nachdem ich dann vor zwei Jahren – YouTube sei Dank – gesehen hab, dass man diesen Stab, wenn man ihn gut anspitzt – einfach mit einem Hammer von oben durch die komplette Torte samt Cakecards hämmern kann – hab ich das vor zwei Jahren auch erfolgreich durchgezogen.

Gut ok, ich hab’s MrRight machen lassen, damit ER dann Schuld hat, wenn alles in sich zusammen fällt 😉 und dann für das Foto nur posiert 😉
Die Torte muss zu diesem Zeitpunkt aber auf jeden Fall super kalt ist, würd ich mal so in den Raum stellen 😉 Da diesmal aber die Stabilität mit meinem Bierdosen-Versteck schon gut gegeben war, hab ich mir das diesmal gespart.
Eine Hochzeitstorte ist auf jeden Fall eine Challenge, eine Erfahrung, Aufregung und Freude zugleich. Wenn alle aus dem Staunen und dem Loben nicht mehr rauskommen, die Torte in einer Stunde fast aufgegessen ist, obwohl MrRight die ganze Woche ständig fragend in den Raum gestellt hat, wer das alles essen soll, dann hast du alles richtig gemacht. Es stellt sich eine extrem erschöpftes Glücksgefühl ein. Denn genau darum geht es bei einer Hochzeitstorte: ein Highlight auf der Hochzeit für alle zu sein 🙂 optisch und geschmacklich …
Wenn dann allerdings Fragen auftauchen, wie: „Da hast du bestimmt 12 Stunden daran gearbeitet!“ muss ich mir das „an den Kopf tippen“ schwer verkneifen, und ich find es es auch schade, dass man nicht „sieht“ wieviel Arbeit da eigentlich dahinter steckt, wenn man – wie ich – kein Profi ist. (und jetzt hab ICH aber echt viel Equipment und Know-How für einen Amateur) Aber ich verstehe es natürlich auch, wenn man selber nichts damit zu tun hat, dass man das nicht einschätzen kann.
Deswegen hier ein paar Zahlen:
- 60 Eier
- 3kg Butter
- 1,5 l Sahne
- 3kg Kuvertüre
- 1,2 kg Fondant
- 5x dazwischen die Küche geputzt
- bestimmt 15 x den Geschirrspüler angeschmissen
- bestimmt 20 Zwischenkühlphasen
- und jede Menge Tortenrandfolie
- wenig Schlaf, weil man nachts Zeit zum Nachdenken hat
- immer wieder Equipment suchen, weil man ständig ein- und ausräumt
- außerdem Säge, Hammer, Zentimeter, Blumendraht, 2m Holzstäbe, Grün für die Deko, Satinbänder, haufenweise Spritzsäcke
- und eine ganze Woche Arbeit, plus den vielen Stunden davor, wo man die Idee ausfeilt, recherchiert, irgendetwas testet und ausprobiert, und natürlich einkaufen und bestellen…
zeitlicher Ablauf in der Hochzeitstorten-Woche:
Einige Böden hab ich schon lange im Vorfeld gebacken, wenn Zeit war. Tortenböden lassen sich gut eingewickelt super einfrieren. Gut durchgekühlt sind sie auch viel besser zu stapeln und sie bröseln dann auch nicht so. Auf jeden Fall sollten sie vor dem Einfrieren auch schon in der richtigen Höhe durchgeschnitten sein. Dh man sollte schon wissen, „wo man mit der Höhe der Torte denn hin will“ 😉
Montag:

Der Montag ist meist mein „Inventurtag“: Wie möchte ich meine Torten nun tatsächlich füllen, was hat Saison? Rezepte raussuche, ausdrucken, Einkaufsliste schreiben, Zutaten und Zubehör checken, und Listen über Listen schreiben, sodass der komplette Ablauf einen Plan hat.
Dienstag:
einkaufen am Vormittag, am Nachmittag die noch fehlenden Tortenböden backen, Fruchtcurds oder -einlagen machen, Nüsse karamellisieren – sprich alles, was nicht unbedingt frisch sein muss, zubereiten.
Mittwoch:
Der stand bei mir ganz im Zeichen meines Tortentoppings, da ich am Montag noch einige Kleinteile bei Amazon bestellt hatte, die erste heute geliefert wurden. Außerdem musste noch meine Creme Chantilly mit weißer Kuvertüre angerührt werden, da die mind 20 Stunden durchkühlen muss, bevor sie aufgeschlagen dann verwendet werden kann.
Donnerstag:
Cremefüllungen und diesmal Sauerkirschfüllung, und natürlich die Buttercreme zubereiten (hab ich in Summe dreimal gemacht, bis ich genug hatte) und dann natürlich zu stapeln und zu schichten beginnen, und dazwischen immer wieder kühlen. Und dafür natürlich im Kühlschrank Platz schaffen! Ich hab Gott sei Dank meinen eigenen Kühlschrank 😉
Nicht zu vergessen in diesem Fall, dass ich aus den Böden der unteren Torte ja jeweils eine Scheibe im Durchmesser der Bierdoseneinlage ausstechen musste 😉 am besten "mittig" 😉 Aufgrund der Bierdoseneinlage, hab ich dann entschieden, die mittlere Torte erst am Freitag direkt auf die Untere gestapelt...
Freitag:
Nun also Cremen für die mittlere Torte und noch mal Buttercreme, dann ein Loch in die Mitte der Cakecard schneiden (das hat mir MrRight dann aber doch mit einem Bohrer erledigt 😉 und wieder Tortenböden löchern.
Und schließlich natürlich noch das Finish: die Baumstamm-Fondant-Eindeckung. Viel messen und wiegen, viel Hirn- und Kraftarbeit (kneten ;))
Aber ich hatte um 22 Uhr tatsächlich alles fertig und im Kühlschrank.
Nun noch alles einpacken, was es für das endgültige Finish vor Ort braucht.
Aber ich muss selbstlobend festhalten: Ich hatte einen guten Plan, war immer in der Zeit – auch wenn MrRight zwischendurch stark gezweifelt hat 😉 und hab alle meine Ideen ohne Kompromiss umgesetzt. Wenn ich groß bin, werde ich Hochzeitstortenbäckerin 🙂
Einiges von meinem Equipment, das ich für Hochzeitstorten verwende, findet ihr übrigens in meinem Händlershop auf Amazon. (dies ist an Affiliate-Link, und ich verdiene eine Kleinigkeit an eurer Bestellung. Danke)


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