(M)Einblick in die Kunst der Patisserie

Gestern hatte ich das große Glück am „Petit Gateau“-Workshop von „Madame Eclair“ in Hallein teilnehmen zu dürfen. Glück war es deswegen, weil Elke Tschofen normalerweise monatelang ausgebucht ist. In ihrer Gutmütigkeit hat sie auf das Flehen der ewigen Wartelistekandidaten einen Kurstermin eingeschoben, der aber deren Urlaubsfreuden zum Opfer fiel, was mir wiederum zu Gute kam. Statt der üblichen acht Teilnehmer waren wir gestern dann tatsächlich nur zu viert. Ich liebe das Arbeiten in Kleingruppen. Aber step-by-step …

Erstmals in diesem Sommer war ich über 11° C und Regen tatsächlich glücklich, denn im Vorfeld hieß es von Elke: „Zieh dich „kalt an“, denn es wird ein heißer und anstrengender Tag in der Küche“ Heiß“ war somit abgehakt, und „anstrengender Tag in der Küche“ dachte ich, gewöhnt zu sein. Ja, so kann man sich täuschen, denn der Tag war tatsächlich anstrengender als geahnt. „Anstrengend“ aber im absolut positiven Sinne, denn meine Sinne waren zu 150% gefordert.

Bei Elke ist alles zu Ende gedacht, nichts steht zufällig irgendwo, nichts wird „einfach so verwendet“, alles hat seinen Platz und alles ergibt einen Sinn. Eine Frau, die sich etwas in den Kopf gesetzt hat, genau weiß, was sie will und sicherlich – so wie ich – ein ganz verrücktes Huhn, das sich nicht von seinem Weg abbringen lässt, begrüßt mich um 9:05 Uhr mit einem strahlenden und herzlichen Lachen, denn ich bin wieder mal sehr „pünktlich“ 😉 In Lila erstrahlt hier so gut wie alles und mal spürt, dass „Madame Eclair“ definitiv Geschmack hat.

In den folgenden neun Stunden höre ich Fachbegriffe, die ich noch nie gehört, seh Techniken, die ich ich noch nie angewendet und erarbeite Massen, die ich noch nie hervorgebracht habe. Aber das Beste von allem: Ich befinde mich im allerhöchsten Geschmack-Wallhalla.

In Zweiergruppen erarbeiten wir je zwei verschiedene Törtchen, von denen eines als „einfach“ und das andere als „schwieriger“ eingestuft wurde. Auf mich wirkt alles schwierig und anfangs möchte ich nicht einmal etwas berühren, um nichts falsch zu machen. Diese Kunst ist mir so fremd, und voller Hochachtung möchte ich mit meiner Tollpatschigkeit nichts zerstören. Außerdem bin ich ein „Denker“ im wahrsten Sinne des Wortes 😉 und nicht bloß einmal höre ich von Elke den Satz „du zerrührst das Ganze“ oder „nicht lang nachdenken, einfach schnell machen“. Ich liebe vor allem ihren Befehl „nicht umscheißen“, denn das liegt mir leider im Blut. Oft bin ich einfach so verkopft, dass ich vor lauter Nachdenken und Grübeln einfach nicht vorwärts komme. Ich will alles verstehen und mir jeden Handgriff und jede Bewegung gut überlegen und auch einprägen. Das geht in der Patisserie einfach nicht. Temperaturen müssen erhalten, erreicht oder eingehalten werden, was sich als meine größte Herausforderung an diesem Tag heraus kristallisiert. Es tut sich so viel rund um mich, und ich weiß oft gar nicht, wo ich hinhören, hinschauen oder hingreifen soll, oder darf 😉 In mir schlummert offensichtlich eine nicht geahnte Kindheitsangst, „immer etwas falsch machen zu können“, denn das ist an diesem Tag tatsächlich meine größte Sorge.

Am Ende des so eindrucksvollen Tages, bei dem sogar das Mittagessen zelebriert wurde – diese Frau weiß einfach genau, was sie will -, hab ich tatsächlich das Gefühl, eines der Törtchen zu Hause selber und alleine „nachbauen“ zu können , wofür ich natürlich ein paar „Kleinigkeiten“ mit nach Hause nehmen muss 😉 Mit einem bis ins Detail liebevoll ausgearbeiteten Rezeptheft, das die heute von uns erbauten Meisterwerke beinhaltet, komme ich um 22 Uhr erschöpft, aber begeistert und vollgepackt mit herrlichen Eindrücken und Geschmacksexplosionen, vielen Inspirationen, viel Information zu feinen Handwerkstechniken, und begeisterter Euphorie nach Hause.

Wenn man sich selber im Weg steht…

Dass ich null Ahnung von dem hatte, was mich erwartet, und ich jemand bin, der etwas Zeit braucht und trotz losem Mundwerk doch sehr feig ist, ist absolut mein eigenes Problem. So verlor ich im Grunde oft viel Zeit mit Suchen und Feigsein 😉
Dass Elke nicht bei jedem Kurs, der mit "Dauergästen" und Neulingen immer bunt gemischt ist, wertvolle Zeit mit einem peniblen Küchenrundgang verlieren will, ist mir absolut klar und auch in unserem Sinn, so hilft man sich halt gegenseitig, oder wartet...
Vom Aufbau und Innenleben der Törtchen hatte ich keine richtige Vorstellung und an den Fotos war es leider oft etwas schwer zu erkennen, weswegen ich oft nicht so recht wusste, was genau "was" ist und wie sich die Schichtung tatsächlich zusammensetzt. Vor allem auch, weil mir viele Begrifflichkeiten absolut fremd waren. 🤣
Als Einzelkämpfer-Typ war ich noch die Fan von Gruppenarbeit. Es gibt ja Teamplayer und Teamleader. Ich bin bestimmt eher Letzterer und möchte dann aber in einer Gruppe natürlich nicht immer "den Chef raushängen lassen", was dann eher dazu führt, dass ich mich zurücknehme. Auf gut Deutsch: ich weiß nie, wieviel ich einfordern darf, was es mir schwerer macht, mich einzufinden. Gerade auch wenn man die anderen Personen nicht kennt. Schlussendlich stellst sich dann ja meist raus, dass man sich perfekt ergänzt hat, die Veranstaltung ist dann aber meist auch schon zu Ende 😉 
Ich denke, ich hätte viel lieber für ein eigenes Törtchen die volle Verantwortung  übernommen, aber bestimmt würden viele gerade das nicht mögen.

Dass das Mittagessen ein kleines Highlight für Augen und Magen war, ist bestimmt etwas Wundervolles. Für mich aber wäre in diesem Fall "weniger mehr" gewesen, da es an Eindrücken sowieso schon allerhöchste Qualität war. Bedingt durch meine MS  braucht mein Gehirn einfach etwas länger mit dem Verarbeiten. Eine kleine Input-Pause wäre für mich in diesem Moment etwas angenehmer gewesen, aber das soll absolut keine Kritik sein.
Und zu allerletzt das "Handschuhe"-Ding: Ich arbeite in meiner Küche zu Hause mit zwei Ausnahmen (Rote Rübe und das Einfärben von Massen)  NIE mit Handschuhen. Einerseits liegt es daran, dass ich aufgrund der MS Empfindungsstörungen in den Fingern bzw der Hand habe und unbedingt spüren möchte, was ich in der Hand halte, damit es mir nicht runterfällt. Und andererseits hab ich so kleine Hände, dass ich auf jeden Fall Gr. 6 brauche. Ich würde mir beim nächsten Kurs einfach meine eigenen Kleinen mitbringen, da ich den Hygiene-Faktor natürlich absolut nachvollziehen kann, und an dieser Stelle DANKE sage an Elke für ihr Verständnis  und ihre Nachsicht in meinem Fall.

Was hab ich mitgenommen:

Wissen: 
Tatsächlich weiß ich heute doch sehr vieles noch,  und hab mittlerweile auch alles davon niedergeschrieben, wie zb Tipps zu Temperaturen, Reihenfolge von Arbeitsschritten und Techniken, von denen ich mir wirklich vorstellen kann, sie anzuwenden.
Törtchen zum Verkosten für die Lieben zu Hause - damit die Zu-Hause-Gebliebenen wissen, wofür sie auf mich verzichtet haben, und sehen, WAS ich gelernt habe:
Man fährt mit einem tollen Gefühl und allerlei Leckereien und Ideen nach Hause. Und jede Frau kennt das bestimmt, dass zu Hause dann alles nur so aus ihr heraussprudelt, was sie erlebt hat. Kann der Mann dann nebenbei ein Törtchen nach dem anderen genüsslich verspeisen, ist die Toleranzgrenze diesbezüglich deutlich höher, und zum Schluss gibt's vom heimischen Genießer im besten Fall auch etwas Lob. Was will Frau mehr?
Goldstaub:
Genau 😉 und so manch anderes Gimmick, das ich bestimmt bald mal verwenden werde, wenn ich denn weiß, wo ich das wieder alles hin verräume.
Ideen:
Bestimmt werde ich keine Törtchenkönigin, dazu lieben ich die Teigkunst einfach viel zu sehr, aber in Elke hab ich jemanden kennen und schätzen gelernt, mit dem mich in Zukunft hoffentlich noch vieles mehr verbinden wird.

Mein Resümee

Der wirklich nur im ersten Moment hoch erscheinende Kursbeitrag ist absolut und mehr als gerechtfertigt. Elke verwendet nur die hochwertigsten Produkte und ist gleichzeitig aber sehr spendabel was Verkosten und Naschen betrifft. Neben all den für die Törtchen notwendigen Materialien, sind sämtliche Getränke, Kaffee und toller Cocktail, ein herrliches Mittagessen, das Rezeptheft und alle beantworteten Fragen an diesem langen Tag, der nicht um Punkt 18 Uhr endet, beinhaltet. Im gestrigen Fall bekam dann auch jede Kursteilnehmerin zwei Stück von jedem Törtchen mit nach Hause. Bei mehr Teilnehmern werden mehr verschiedene Törtchen hergestellt, von denen jede dann ein Stück mit nach Hause nehmen darf. Man bekommt für sein Geld deutlich mehr als genug, und wenn so wie bei unserem gestrigen Tag dann auch noch der Spaß und die Plauderei zwischendurch nicht zu kurz kommen, dann zählt die Teilnahme an einem Workshop bei „Madame Eclair“ für mich als 100%ige Quality Time – eine nicht in Frage zu stellende Investition.

Impressionen eines wunderbaren Workshops

Wenn ihr Interesse an einem Workshop bei Madame Eclair (Elke Tschofen) in 5400 Hallein habt, dann findet ihr sie hier auf Facebook, oder ihr kontaktiert sie direkt per mail office@madame-eclair.com oder über 0664 3071317

Vielleicht treffen wir uns ja dann beim nächsten Workshop…who knows 😉

One thought

  1. Das klingt wirklich sehr begeistert, freut mich so, dass Du da einen aufregenden und lehrreichen Tag hattest! Ich liebe solche Törtchen (wer nicht?! 😄), habe aber Null Ehrgeiz, so etwas nachbasteln zu wollen – das überrascht Dich jetzt sicher?! 🤣 Das ist für mich tatsächlich eine Kunstform, der ich allerhöchsten Respekt entgegenbringe! Und angemessene Andacht beim Essen… 😊😋

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